﻿{"id":3322,"date":"2016-04-12T13:15:34","date_gmt":"2016-04-12T11:15:34","guid":{"rendered":"http:\/\/keienfenn.de\/WP\/?page_id=3322"},"modified":"2020-10-24T18:38:54","modified_gmt":"2020-10-24T18:38:54","slug":"interview-von-1996-zuechtermeinung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/interview-von-1996-zuechtermeinung\/","title":{"rendered":"Z\u00fcchtermeinung"},"content":{"rendered":"<p>Interview mit H. Niehof aus Jahrbuch 1996 (Hrsg. Beate und Gereon Ting), S. 39-40<\/p>\n<h4><strong>Glauben Sie, dass die heutigen Zuchtvorschriften zur Verbesserung der Rasse beitragen?<\/strong><\/h4>\n<p>Die Selektion der Rasse anhand von HD-, ED-und Augenuntersuchungsergebnissen tr\u00e4gt sicher zur Verbesserung der Rasse im Hinblick auf deren <strong>Gesundheit<\/strong> bei; Statistiken beweisen das. Gesundheitsergebnisse-so wichtig sie auch sind-d\u00fcrfen meiner Meinung nach aber nie isoliert gesehen werden, sondern immer nur im Zusammenhang mit der Rasse und deren Gesamtsituation. Zu starke Selektion auf ein Merkmal kann andere Probleme mit sich bringen, den Genpool unter Umst\u00e4nden zu stark einengen. Ausnahmen von den Zuchtvorschriften sollten immer m\u00f6glich sein, wenn sie dem Wohl der Rasse dienen k\u00f6nnten. So halte ich auch eine \u00c4nderung der Zuchtbestimmungen in Hinblick auf die Zuchtverwendung von GPRA-Tr\u00e4gern f\u00fcr n\u00fctzlich, sobald man die Tr\u00e4ger durch die Molekulargenetik erkennen kann. Eine Paarung von Tr\u00e4gertieren mit genetisch freien ist unsch\u00e4dlich f\u00fcr die Nachkommen, die klinisch alle gesund w\u00e4ren und w\u00fcrde andere unter Umst\u00e4nden wertvolle Gene erhalten. Wesenstest, Formwertbeurteilung und Anlagepr\u00fcfung halte ich f\u00fcr unbedingt tauglich, die Rasse zu verbessern. Die Beurteilung eines typischen Labradorwesens und -Aussehens unterliegt leider weitaus subjektiveren Kriterien als die tiermedizinischen Untersuchungen. Es kommt durchaus vor, dass ein und derselbe Hund von verschiedenen Richtern mit gut und vorz\u00fcglich bewertet wird. Mit Sorge sehe ich auch, dass es in Deutschland so gut wie keinen Richternachwuchs aus den Reihen der Labradorz\u00fcchter gibt, sodass \u00fcberwiegend Allgemeinrichter dar\u00fcber entscheiden, welche Hunde die Zuchterlaubnis erhalten.<\/p>\n<p>Eine weitere Versch\u00e4rfung der Zuchtvorschriften im Hinblick auf die Z\u00e4hne, wie sie der VDH anstrebt, halte ich im Moment beim Labrador Retriever f\u00fcr sch\u00e4dlich. Schon in den fr\u00fchen Jahren des DRC haben wir in mancher Hinsicht wertvolle Tiere f\u00fcr die Zucht verloren; ich erinnere an Timspring Stargazer, im Besitz der damaligen Zuchtwartin Frau Keldenich, eine der wenigen damals HD-freien H\u00fcndinnen, die wegen zwei fehlender Z\u00e4hne in Deutschland nicht zur Zucht verwendet werden durfte. Die Anlagepr\u00fcfung, wie sie zur Zeit noch praktiziert wird, kann ohne vorheriges \u00dcben kaum bestanden werden. \u00dcber die vererbbaren Anlagen sagt sie daher nur bedingt etwas aus.<\/p>\n<h4><strong>Wie sch\u00e4tzen Sie Wesen und Arbeitsanlagen der heutigen Labrador im Vergleich zum Standard ein?<\/strong><\/h4>\n<p>Das Wesen hat sich nach meiner subjektiven Einsch\u00e4tzung seit 1970 allm\u00e4hlich negativ ver\u00e4ndert. Ein Gro\u00dfteil der heutigen Labrador Retriever scheint weniger lernf\u00e4hig, aufmerksam und anpassungsf\u00e4hig. Viele Hunde sind \u00fcber temperamentvoll und voller (innerer und \u00e4u\u00dferer) Unruhe, sie fallen zum Beispiel durch anhaltendes Hecheln und Bellen auf. Der \u201ewill to please\u201c hat vielfach nachgelassen. Etliche Hunde arbeiten, weil es ihnen gef\u00e4llt, aber nicht in Zusammenarbeit mit ihren F\u00fchrern. Lenkbarkeit und Bringtrieb haben oft nachgelassen; vor 25 Jahren brauchten sich auch Besitzer von Labrador Retrievern aus sogenannten Schaulinien keine Gedanken dar\u00fcber zu machen, ob ein weiterer Apport <strong>zumutbar<\/strong> sei. Das Bringen war die gr\u00f6\u00dfte Belohnung, kein \u201eMu\u00df\u201c sondern ein \u201eDarf\u201c. Die F\u00e4higkeit, ausdauernd zu suchen und der Finderwille scheinen nachgelassen zu haben. Hunde mit hartem Maul werden h\u00e4ufiger gesehen. Die Forderungen des Standards freundlich, ohne Aggression und deutliche Scheue sowie Wasserfreudigkeit werden auch heute in der Regel noch erf\u00fcllt.<\/p>\n<h4><strong>Welche Deckr\u00fcden haben Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren den gr\u00f6\u00dften Einfluss auf die Rasse genommen und warum?<\/strong><\/h4>\n<p>Sandylands Mark (heute vertreten durch seinen Nachkommen Rocheby Royal Oak) und Charway Ballywillwill (bzw. sein Gro\u00dfvater Timspring Sirius). Sie finden sich in den Ahnentafeln von vielen heute auf Ausstellungen erfolgreichen Labrador Retrievern und haben dazu beigetragen, dass auch in den Schaulinien noch gutes Arbeitspotential vorhanden ist. Palgrave Edward und sein Sohn Swinbrook Tan, heute unter anderem vertreten durch Pocklea Remus und Heatherbank Alex of Tasco haben die Rasse sehr beeinflu\u00dft. Die Erfolge ihrer Nachkommen auf den Field Trials sprechen f\u00fcr sich. Auch Holdgate Willie und seinen Sohn Derryboy Daniel, unter deren Vorfahren sich neben F.T. Champions auf Champions befinden, halte ich f\u00fcr bedeutend.<\/p>\n<h4><strong>Welche Entwicklungen der letzten Jahre werden Ihrer Meinung nach die Rasse beeinflussen?<\/strong><\/h4>\n<p>Die Molekulargenetik.<\/p>\n<h4><strong>Wer ist Ihr pers\u00f6nlicher Lieblings-Labrador und\/oder entspricht am meisten am meisten ihrem Ideal?<\/strong><\/h4>\n<p>Schon 1970 habe ich Sandylands Tandy auf Fotos bewundert. Leider kenne ich nur Kinder von ihm pers\u00f6nlich. Ballyduff Seaman, Poolstead Problem und Sandylands Geannie haben mich sehr beeindruckt, alles Hunde mit sanftem Ausdruck und viel Ausstrahlung. Zur Zeit ist Billy (Tibea Tosh) mein Ideal in Bezug auf Wesen, Leistung und Aussehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit H. Niehof aus Jahrbuch 1996 (Hrsg. 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