﻿{"id":1267,"date":"2015-09-04T14:17:59","date_gmt":"2015-09-04T12:17:59","guid":{"rendered":"http:\/\/keienfenn.de\/WP\/?page_id=1267"},"modified":"2025-06-15T17:51:52","modified_gmt":"2025-06-15T15:51:52","slug":"gedanken-zum-wesenstest","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/gedanken-zum-wesenstest\/","title":{"rendered":"Gedanken zum Wesenstest"},"content":{"rendered":"<p>Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windm\u00fchlen.<\/p>\n<div id=\"content\">\n<p><a href=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Weg-zum-Wandel.jpg\" rel=\"lightbox[1267]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8099\" src=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Weg-zum-Wandel-300x151.jpg\" alt=\"\" width=\"658\" height=\"331\" srcset=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Weg-zum-Wandel-300x151.jpg 300w, https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Weg-zum-Wandel-1024x515.jpg 1024w, https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Weg-zum-Wandel-768x386.jpg 768w, https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Weg-zum-Wandel-1536x773.jpg 1536w, https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Weg-zum-Wandel.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 658px) 100vw, 658px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.<\/p>\n<p>Mein Weg zu einer ethologisch vertretbaren Verhaltensbeurteilung ist fast beendet. Am 26.6 2022 werde ich nach drei Jahren harter Arbeit, leider auch mit sehr vielen Anfeindungen, mein Amt als Obfrau f\u00fcr die Wesensrichter abgeben.<\/p>\n<p>Ich habe versucht, diese 3 Jahre m\u00f6glichst gut zu nutzen. Dazu habe ich das Projekt wissenschaftlich begleiten lassen und zahlreiche Gespr\u00e4che mit etlichen Ethologen gef\u00fchrt. Bei diesen bedanke ich mich f\u00fcr die Hilfe, ganz besonders bei meiner Freundin Dorit (Feddersen), die daf\u00fcr nie etwas in Rechnung gestellt hat. Sie hat meinen Einsatz schon w\u00e4hrend unserer gemeinsamen Studienzeit von Beginn an miterlebt. Aber auch bei Esther, die mit ihrem Entwurf die Grundlage f\u00fcr eine entscheidende Ver\u00e4nderung geschaffen hat und bei Tina Johann, die bei der Ausbildung der neuen Verhaltensbeurteiler in Theorie und Praxis dabei war, muss ich mich bedanken. Besonders dankbar bin ich Ines Mainka, die mich in jeglicher Hinsicht unterst\u00fctzt hat,\u00a0 daf\u00fcr,\u00a0 dass sie sich bereit erkl\u00e4rt hat, das Amt f\u00fcr die folgenden drei Jahre zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Ein guter Anfang ist geschafft. Es wird noch viel zu tun geben und die Zeit wird zeigen, ob die neue VHB in der Lage sein wird, das Verhalten unserer Retriever nicht nur festzuhalten, sondern auch das Gute zu erhalten, vielleicht sogar zu verbessern. Ver\u00e4nderungen wird es auch zuk\u00fcnftig geben m\u00fcssen und es ist zu hoffen, dass noch wirksamere Strategien entwickelt werden. Zumindest aber kann das Netzdiagramm, in dem die Codes f\u00fcr die \u00fcberpr\u00fcften Verhaltensbereiche optisch in Zahlen festgehalten werden, schon jetzt eine Hilfe f\u00fcr die Z\u00fcchter bei der Paarungsplanung sein.<\/p>\n<p>06.06.2022\u00a0 Leni Niehof<\/p>\n<p>Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><strong>Meine Schritte auf dem Weg zum Wandel<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Hans Rudolf Engelmann habe ich bereits in den Anf\u00e4ngen des DRCs kennengelernt. Er wird mir immer in Erinnerung bleiben als Kynologe mit hohem kynologischen Wissen, aber auch als Schweizer Original mit deftiger Ausdrucksweise. Immer ging es ihm um das Wohl der Hunde.<\/p>\n<p>Er entwickelte damals gemeinsam mit Prof. Eugen Seiferle (Autor des Buches Wesensgrundlagen und Wesenspr\u00fcfung des Hundes) den ersten Schweizer Wesenstest f\u00fcr Hunde. Dieses verdient hohe Anerkennung.<\/p>\n<p>Das Wesen war f\u00fcr mich schon damals das Wichtigste in der Rassehundezucht, da wir ja zusammen mit unseren Hunden leben und sie nicht in Zwinger wegstecken wollen.<\/p>\n<p>Hans Rudolf richtete schon die Hunde aus meinem ersten A-Wurf. Viel durfte ich von ihm lernen und nur, weil er mich so best\u00e4rkt hat, legte ich die Pr\u00fcfung zum ersten Wesensrichter im DRC ab.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/engelmann1.jpg\"  rel=\"lightbox[1267] attachment wp-att-3345\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3345\" src=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/engelmann1-300x250.jpg\" alt=\"engelmann1\" width=\"300\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/engelmann1-300x250.jpg 300w, https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/engelmann1-50x42.jpg 50w, https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/engelmann1.jpg 421w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/lang-ist-es-her-Bernhauser-Uta-2.jpg\"  rel=\"lightbox[1267] attachment wp-att-3488\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3488\" src=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/lang-ist-es-her-Bernhauser-Uta-2-178x300.jpg\" alt=\"lang ist es her Bernhauser Uta (2)\" width=\"178\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/lang-ist-es-her-Bernhauser-Uta-2-178x300.jpg 178w, https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/lang-ist-es-her-Bernhauser-Uta-2-30x50.jpg 30w, https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/lang-ist-es-her-Bernhauser-Uta-2.jpg 421w\" sizes=\"(max-width: 178px) 100vw, 178px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Damals fand der Wesenstest im DRC auf freiwilliger Basis statt. Nur deswegen habe ich mich getraut, mit dem Richten zu beginnen. Die Verantwortung dar\u00fcber zu entscheiden, ob mit einem Hund gez\u00fcchtet werden darf oder nicht, erscheint mir auch heute manchmal noch zu gro\u00df.<\/p>\n<p>Vieles hat sich seitdem ge\u00e4ndert. Kleine Ver\u00e4nderungen im Wesensstandard f\u00fcr den Labrador Retriever konnte ich innerhalb der Gemeinschaft der Wesensrichter durchsetzen, z. B. dass Sch\u00e4rfe (auch die damals so genannte erw\u00fcnschte Sch\u00e4rfe) bei Labrador Retrievern eben nicht zu den erw\u00fcnschten Wesenseigenschaften geh\u00f6rt oder auch, dass Misstrauen (je nach Definition) nicht erw\u00fcnscht (oder gesund) sein muss, ganz abgesehn davon, dass es sich dabei nicht um einen Begriff der Ethologie handelt.<\/p>\n<p>Nie habe ich mir eingebildet, angeborene von erworbenen Wesenseigenschaften unterscheiden zu k\u00f6nnen, so w\u00fcnschenswert das auch w\u00e4re.(Nikolas Tinbergen: \u201eVerhalten ist zu 100\u202f% angeboren und zu 100\u202f% erlernt\u201c). Zu gro\u00df ist der Einfluss, den der Hundebesitzer auf seinen Hund \u2013 bewusst oder unbewusst &#8211; aus\u00fcbt. Die Feststellungen, die am Tag der Wesenspr\u00fcfung gemacht werden, sind eine Momentaufnahme und von sehr vielen weiteren Faktoren abh\u00e4ngig, z. B. Wetter, Gel\u00e4nde, Alter des Hundes, den Menschen, die bei der Pr\u00fcfung anwesend sind, wie diese mit dem Hund umgehen, ihn ansprechen, mit ihm spielen, wie die optischen und akustischen Signale bedient werden.<\/p>\n<p>Damals wie heute d\u00fcrfen wir die Hunde nur in friedlichen Situationen testen. Subjektiv aus der Sicht des Hundes ist das in der urspr\u00fcnglichen Version der Schweizer Wesenspr\u00fcfung nicht immer der Fall. Zumindest sollte ein Hund nicht schlechter als zu Beginn aus der Verhaltensbeurteilung herausgehen und sein Vertrauen zu Menschen darf niemals\u00a0 ohne Not aufs Spiel gesetzt werden. Leider musste ich feststellen, dass dieses durch eine fr\u00fcher nie so praktizierte Handhabung der Kreissituatuion geschieht, indem der Hund im Kreis von seinem au\u00dferhalb stehenden Menschen gerufen und ihm das Verlassen des Kreises dennoch verwehrt wird.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde mich freuen, wenn mein Antrag auf wissenschaftliche \u00dcberarbeitung unseres Wesentests nach den neuesten Erkenntnissen der Ethologie, eine verst\u00e4rkte Fortbildung f\u00fcr die Wesensrichter und die Anw\u00e4rter dazu f\u00fchren, das angenehme Wesen unserer Hunde zu erhalten.<\/p>\n<p><b>\u00a9 Niehof 2008<\/b><\/p>\n<p><strong>PS 2018:\u00a0<\/strong>Leider konnte ich durch meinen vor vielen Jahren gestellten Antrag auf wissenschaftliche \u00dcberarbeitung der Wesenspr\u00fcfung nur sehr bescheidene Verbesserungen erreichen. Zumindest wurden die beiden ethologisch als Bedrohung anzusehenden Testsituationen (R\u00fcckenlage und Kreisprobe) eine Spur abgemildert.\u00a0 Die Trennung zweierlei Arten von sogenannter Sch\u00e4rfe (erw\u00fcnscht und unerw\u00fcnscht) wurde auf meinen Antrag hin schon fr\u00fcher aufgehoben;\u00a0 heute soll nun wieder unterschieden werden in Angstaggression oder Frustrationsaggression. Eine\u00a0 Unterscheidung ist f\u00fcr ethologische Laien, wie es die meisten Wesensrichter\/Verhaltensbeurteiler sind, innerhalb der \u00dcberpr\u00fcfung dadurch nicht einfacher geworden. Hinzu kamen die \u00dcberpr\u00fcfung der Identit\u00e4t (Ablesen des Transponders) direkt zu Beginn der Pr\u00fcfung und zus\u00e4tzlich eine Kontrolle der Z\u00e4hne, ohne festzulegen, was damit festgestellt werden soll und wie diese durchzuf\u00fchren ist.<\/p>\n<p>Nun liegt seit Ende 2018 endlich eine weitere wissenschaftliche \u00dcberarbeitung durch Esther Schalke vor, die auch ein objektiveres Beurteilungssystem mit Codierung der Verhaltensweisen vorsieht. Nun hoffe ich sehr, dass meine ca. 40j\u00e4hrigen Bem\u00fchungen um wissenschaftlich fundierte Ver\u00e4nderungen bald doch noch von Erfolg gekr\u00f6nt sein werden.<\/p>\n<p><strong>PS 2019: <\/strong>Als sich auf der Mitgliederversammlung 2019 keiner f\u00fcr das Amt der Obfrau zur Verf\u00fcgung stellte und ich f\u00fcr dieses Amt von einem Mitglied vorgeschlagen und gew\u00e4hlt wurde, nahm ich die Wahl an. Ich hoffe, dass ich die angestrebten Ver\u00e4nderungen der Verhaltensbeurteilung f\u00fcr unsere Retriever werde erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Meine Ziele f\u00fcr die Amtsperiode:<\/p>\n<ol>\n<li>das Codingsystem mit den ethologisch notwendigen \u00c4nderungen in den Ordnungen des DRC verankern<\/li>\n<li>neue Anw\u00e4rter f\u00fcr das verantwortungsvolle Amt gewinnen<\/li>\n<li>qualifizierte Fortbildungen f\u00fcr die Verhaltensbeurteiler, Zuchtrichter, JGHV-Richter anbieten<\/li>\n<li>Verbesserung der Ausbildung der Anw\u00e4rter und Assistenten<\/li>\n<li>Verbesserung der Kommunikation<\/li>\n<li>einen Nachfolger f\u00fcr das Amt des Koordinators finden<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Von der Wesenspr\u00fcfung zur Verhaltensbeurteilung<\/h2>\n<p>\u201eWesensgrundlagen und Wesenspr\u00fcfung des Hundes\u201c, Leitfaden f\u00fcr Wesensrichter, so lautet der Titel des 1972 in 2. Auflage unter Mitarbeit von Hans Rudolf Engelmann und anderen \u201eH\u00fcndelern\u201c aus dem Lager der Schutzhunde erschienenen B\u00fcchleins von Prof. Dr. Dr. h.c. Eugen Seiferle. Schon die 1969 erschienene Wesensanalyse f\u00fcr Junghunde von Prof. Dr. J. Bodingbauer hatte mich begeistert. Bereits mit meinem A-Wurf machte ich Ausfl\u00fcge u. a. zum Wasser und bot den Welpen verschiedenste Reize zur Umweltgew\u00f6hnung und Sozialisation. Die emotionale Stabilit\u00e4t der von mir gez\u00fcchteten Hunde war mir auch in den Anf\u00e4ngen der Zucht vom Keien Fenn wichtig und genoss Priorit\u00e4t bei meinen Zuchtzielen. Was lag da n\u00e4her als mit meiner Aska auch die Wesenspr\u00fcfung abzulegen, auch wenn ich dazu damals noch in die Schweiz fahren musste. So legte ich am 12. Mai 1974 mit ihr in Langenthal die Wesenspr\u00fcfung ab. Die Beurteilung von H. R. Engelmann lautete so: <em>\u201eIn allen Teilen \u00e4u\u00dferst sichere und unerschrockene H\u00fcndin mit Kampftriebveranlagung. Sollte unbedingt zur Zucht verwendet werden.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Im Formular wurde damals nur einmal nach Kampfstimmung beim Spiel gefragt und hier wurde diese Frage f\u00fcr Aska verneint. Diese Beurteilung muss sicher auch im Sinne des damals herrschenden Verst\u00e4ndnisses gesehen werden. Der sogenannte \u201eKampftrieb\u201c galt als erw\u00fcnschte Eigenschaft und ein begeistertes hemmungsloses Spiel, wie Aska es zeigte, wurde gern als Veranlagung zum Kampftrieb bezeichnet. Immerhin sollte laut Seiferle die oft f\u00fcr Hunde benutzte Eigenschaft \u201eMut\u201c schon 1972 aus dem Vokabular gestrichen werden.<\/p>\n<p>Lange habe ich mich f\u00fcr die Etablierung dieser Wesenspr\u00fcfung nach Schweizer Muster auch im DRC eingesetzt. Es war sicher das Beste, was es zur damaligen Zeit gab. Sp\u00e4ter wurde Hans-Rudolf Engelmann immer h\u00e4ufiger eingeladen, um im DRC Retriever zu richten. Eine Voraussetzung f\u00fcr die Zucht war die Wesenspr\u00fcfung damals noch nicht. Sehr oft durfte ich von Beginn an, seit 1972 bei ihm hospitieren und viel von ihm lernen. Aber schon damals wurden meine vielen Fragen und Anspr\u00fcche, z. B. an die Definitionen der damals gebr\u00e4uchlichen Ausdr\u00fccke f\u00fcr die Eigenschaften, nur unvollst\u00e4ndig befriedigt.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Hans-Rudolf war das \u201eWesen\u201c der Hunde wichtig und die Etablierung dieser Pr\u00fcfung ihm ein Anliegen. Mit sanftem Zwang erreichte er es, dass ich mich der Pr\u00fcfung zum Wesensrichter stellte. 1979 wurde ich zur ersten Wesensrichterin im DRC ernannt. Die Zuchtbestimmungen f\u00fcr alle Retrieverrassen waren damals noch gleichlautend. Das \u00e4nderte sich erst und ganz allm\u00e4hlich durch eine Satzungs\u00e4nderung, die die Verantwortung f\u00fcr die Zucht weg von der Mitgliederversammlung des DRC immer mehr in die H\u00e4nde der f\u00fcr die verschiedenen Retriever zust\u00e4ndigen Zuchtkommissionen legte.<\/p>\n<p>Unbehagen kam bei mir auf durch die sich im Laufe der Jahre entwickelnden ungleichen Zuchtbestimmungen und die Verpflichtung zur Ablegung der Wesenspr\u00fcfung als Zuchtvoraussetzung nur f\u00fcr die Labrador Retriever. Alle anderen Retrieverrassen hatten alternative M\u00f6glichkeiten, die nach \u00a7 3 VDH vorgeschriebene Verhaltensbeurteilung abzulegen, z. B. in Form einer jagdlichen Pr\u00fcfung. Abgesehen von der m. E. unhaltbaren Ungleichbehandlung der Rassen unter dem gemeinsamen Dach des DRC, war das Angebot der ausgerichteten Wesensteste (so wurde die Verhaltens\u00fcberpr\u00fcfung sp\u00e4ter genannt) zu klein, um alle zur Zucht eingesetzten Retriever richten zu k\u00f6nnen. Die Zahl der bis dahin ernannten Richter war definitiv f\u00fcr die enorme Anzahl der mittlerweile im DRC gez\u00fcchteten Retriever zu klein. Zudem waren die Bedingungen f\u00fcr die Durchf\u00fchrung und die Ausschlussgr\u00fcnde nicht f\u00fcr alle Retrieverrassen gleich. Durch einen Antrag in 2016 an die Z\u00fcchterversammlung f\u00fcr Labrador Retriever wurde diese Ungerechtigkeit endlich wieder behoben.<\/p>\n<p>Im Laufe der vielen Jahre war es mir gelungen, sehr kleine \u00c4nderungen der Wesenstestordnung zu erreichen. 2007 war mein interner Antrag an die Gemeinschaft der Wesensrichter nach einer wissenschaftlichen \u00dcberarbeitung des Wesenstestes angenommen worden. Dieser wurde zun\u00e4chst nicht umgesetzt, sondern es wurden Vorschl\u00e4ge zu einer \u00c4nderung gemacht, die wissenschaftlichen Kriterien nicht standhielt. Danach erfolgte eine weitere Bearbeitung, von deren Ergebnis ich erst sp\u00e4ter erfuhr. Meine Vorstellungen von einer Anpassung des Wesenstest an den heutigen Stand der Wissenschaft und Forschung waren anders und ich wurde immer wieder durch Gespr\u00e4che mit meiner Freundin Dorit, die meinen Einsatz f\u00fcr die Wesenspr\u00fcfung von Anfang an schon w\u00e4hrend unseres gemeinsamen Tiermedizinstudiums hautnah miterleben musste, best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Eine \u00c4nderung versprach ich mir durch ein Mehr und eine Verbesserung der Aus- und Fortbildung der Wesensrichter. Seit 2013 wurde auf meinen Vorschlag hin Esther Schalke mehrfach zu Fortbildungszwecken zu den j\u00e4hrlichen Tagungen der Wesensrichter eingeladen. Diese waren \u00fcberaus lehrreich; dennoch konnten sich die Wesensrichter nicht auf einen gemeinsamen Vorschlag zur \u00c4nderung des Bewertungssystems einigen oder einen solchen zur Abstimmung vorlegen. 2014 erteilte der erweiterte Vorstand den Auftrag zu einer grundlegenden \u00dcberarbeitung der Wesenstestordnung um einen Verhaltenstest nach den aktuellen wissenschaftlichen Kriterien anbieten zu k\u00f6nnen f\u00fcr alle Retrieverrassen. Dazu wurde Ende 2018 von Esther ein erster Entwurf mit vorgelegt. Bis zu der im November 2019 vom Vorstand verabschiedeten neuen Ordnung f\u00fcr die Verhaltensbeurteilung (Wesenstest)war es aber noch ein langer Weg, der von verschiedenen Ethologen (neben Esther Schalke u. a. von Dorit Feddersen-Petersen und Tina Johann) wissenschaftlich begleitet wurde.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese von mir weiterhin als notwendig empfundene externe Beratung hatte mir der Vorstand ein Budget zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n<p>Um unserer heutigen Umwelt mit ihren vielen Reizquellen gewachsen zu sein, verlangt es in aller Regel nach einem emotional stabilen Hund. Diese erw\u00fcnschte Stabilit\u00e4t ist zum Teil genetisch bedingt, zum Teil wird sie durch Erfahrungen erworben oder auch verloren. Das Ziel einer Verhaltensbeurteilung soll daher sein, alters- bzw. entwicklungsangepasst das Verhalten des Hundes und seine Reaktion auf standardisierte Testsituationen (Simulation von Alltagssituationen) und seine m\u00f6gliche Zuchteignung zu ermitteln.<\/p>\n<p>Zur Beurteilung der Selbstsicherheit sind laut Schalke Situationen mit unterschiedlichen Untergr\u00fcnden wichtig; diese wurden daher im neuen Test hinzugef\u00fcgt. Die Situationen R\u00fccken\/-Seitenlage und Kreis sind ethologisch nur geeignet, das Aggressionsverhalten zu \u00fcberpr\u00fcfen. Dieses Verhalten kann aber auch in den Situationen Identifizierung, Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, Spielsituationen und Ber\u00fchrung durch Fremde \u00fcberpr\u00fcft werden. Eine Zuordnung der beiden Testsituationen zu anderen Eigenschaften ist aus ethologischer Sicht nicht m\u00f6glich. Die Verantwortung daf\u00fcr zu \u00fcbernehmen, bewusst agonistisches Verhalten auszul\u00f6sen, ist hoch. Die zur Beratung herangezogenen Ethologen rieten dringend davon ab. Diese beiden Situationen sind im neuen Test daher nicht mehr enthalten.<\/p>\n<p>Bislang fand die Beurteilung der Eigenschaften unserer Hunde im Wesenstest des DRC nach Schweizer Muster durch ein sogenanntes <strong>Rating<\/strong> statt, also anhand einer subjektiven Einsch\u00e4tzung der Richter\/innen (z. B. viel, sehr viel, wenig, sehr wenig), w\u00e4hrend ein <strong>Scoring<\/strong> etwas Quantifizierbares auf einer Skala z\u00e4hlt oder misst.<\/p>\n<p>Das Bewertungssystem in der neuen Verhaltensbeurteilung erfolgt nach dem <strong>Coding<\/strong>system, dem ein hohes Ma\u00df an Objektivit\u00e4t zugeschrieben wird. Es beschreibt ein durch Zahlen verschl\u00fcsseltes, genau definiertes spezifisches Ausdrucksverhalten des Hundes. Dementsprechend werden in der Verhaltensbeurteilung nach der neuen Ordnung dem Vorschlag von Esther Schalke folgend, Codes aufgestellt f\u00fcr die Verhaltensweisen bei: Sozialkontakt, \u00c4ngstlichkeit (f\u00fcr die belebte Umwelt), Unsicherheit (ethologisch gesehen nur ein anderer Ausdruck f\u00fcr \u00c4ngstlichkeit, zur Unterscheidung soll er aber f\u00fcr Reize in der unbelebten Umwelt gelten), Schreckhaftigkeit (auch beim Schuss), Aktivit\u00e4t, Neugierverhalten, Spielverhalten und Aggressionsverhalten. Da von einem Retriever auch erwartet werden muss, dass er Bring- und Suchverhalten zeigt, wird auch dieses codiert beschrieben. Nur weil sie zurzeit noch nur von 1-5 reichen, sind die Zahlen selbstverst\u00e4ndlich nicht mit Schulnoten gleichzusetzen. Sie stellen keine Bewertung des Verhaltens dar, sondern die Zahlen beschreiben neutral, was beobachtet wird. Eine \u201eEins\u201c bedeutet nicht, dass das Verhalten sehr gut und erw\u00fcnscht ist. Eine 1 im Bringverhalten z. B. ist keine sehr gute Zensur, sondern besagt lediglich, dass bei diesem Hund in dieser Testsituation kein Interesse an der Beute beobachtet werden kann; Bringverhalten ist eine bei allen Retrievern erw\u00fcnschte Eigenschaft; es w\u00fcnscht sich vermutlich niemand den Code 1 in diesem Bereich. Eine 1 bei der \u00dcberpr\u00fcfung der Schussfestigkeit hingegen bedeutet, dass sich der Hund auf den Schuss hin neutral, neugierig verh\u00e4lt oder mit Suchverhalten reagiert, w\u00e4hrend die 5 hier ein unerw\u00fcnschtes Verhalten codiert, n\u00e4mlich: Hund flieht und stellt dabei eine gr\u00f6\u00dfere Distanz her\/Hund erstarrt und bleibt &gt; 5 Sekunden in diesem Verhalten. Durch die genaue Beschreibung wird vermieden, dass das beobachtete Verhalten der Hunde vermenschlicht und direkt interpretiert wird, ohne belegen zu k\u00f6nnen, auf welchem Ausdrucksverhalten die Interpretation beruht.<\/p>\n<p>Da es keinen offiziellen Wesensstandard f\u00fcr Retriever gibt, kann sich letztendlich jeder sein eigenes Idealbild vom Wesen seines Retrievers machen. Die Z\u00fcchter k\u00f6nnen in z\u00fcchterischer Freiheit selber entscheiden, welche Eigenschaften sie in ihrer Zucht eher verst\u00e4rken oder verringern m\u00f6chten. F\u00fcr den Zuchteinsatz jedenfalls muss aber gelten, dass die angestrebten Verhaltensweisen den im jeweiligen Rassestandard beschriebenen Eigenschaften der Retriever nicht widersprechen. Allerdings sind auch f\u00fcr eine zeitgem\u00e4\u00dfe Interpretation des Rassestandards stets die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Ethologie zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Zur Qualit\u00e4tssicherung und um eine Auswertung m\u00f6glich zu machen, m\u00fcssen Untersuchungen und so auch eine Verhaltensbeurteilung unserer Hunde die drei Hauptg\u00fctekriterien wissenschaftlicher Forschung (Objektivit\u00e4t, Validit\u00e4t, Reliabilit\u00e4t) erf\u00fcllen. Diese Anforderungen versucht der neue Test zu erf\u00fcllen. Hierbei ist Voraussetzung f\u00fcr Objektivit\u00e4t eine Standardisierung der Testsituationen, d. h. die Bedingungen f\u00fcr die Durchf\u00fchrung der Beurteilungen m\u00fcssen durch eindeutige Regeln vorgegeben und f\u00fcr alle Hunde gleich oder zumindest so \u00e4hnlich wie m\u00f6glich gestaltet sein. Die Ergebnisse der Beurteilung m\u00fcssen weitestgehend unabh\u00e4ngig von der Person des Beurteilers, den teilnehmenden Personen, den eingesetzten Reizen sein, so dass unterschiedliche Beurteiler eher zu denselben Ergebnissen kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse sollen das Tier zutreffend beschreiben und m\u00fcssen reproduzierbar sein. Das ist selbst bei einer Standardisierung schwierig, da das Verhalten des Hundes immer auch von seiner Tagesform, dem Wetter, den \u00f6rtlichen Verh\u00e4ltnissen, der Jahreszeit, der Wartezeit im Auto u. a. abh\u00e4ngig ist. Wenn Zufallsfehler weitestgehend ausgeschlossen werden und ein Test unter gleichen Bedingungen zum identischen Ergebnis f\u00fchrt, ist er reliabel, also genau und zuverl\u00e4ssig. Valide oder g\u00fcltig ist ein Test, wenn er diejenigen Verhaltensweisen, die er messen soll, auch tats\u00e4chlich misst, d. h. der Wesenstest muss das Verhalten in Alltagssituationen ermitteln. Wenngleich im Alltag kaum eine solche Aneinanderreihung der Situationen und Reize stattfindet wie sie auch im neuen Wesenstest vorgesehen ist, kann diese einem emotional stabilen Hund aber durchaus zugemutet werden. Niemals aber sollte ein Hund den Test in schlechterer psychischer Verfassung verlassen als zu Beginn der \u00dcberpr\u00fcfung.<\/p>\n<p>Der von mir angestrebte Verbesserung der Ausbildung zuk\u00fcnftiger Richter f\u00fcr die Verhaltensbeurteilung wird durch den Einsatz externer Fachleute zur Schulung des Ausdrucksverhaltens in der Praxis und durch deren Einsatz bei der Abschlusspr\u00fcfung der Wesensrichterassistenten Rechnung getragen. Die Beurteilung der Retriever nach der neuen Ordnung soll in 2021 erprobt werden und zeigen, ob eventuell weitere \u00c4nderungen notwendig werden. Eine f\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung eines Erfolges von z\u00fcchterischen Ma\u00dfnahmen notwendige nach Geburtsjahr und Rasse getrennte Statistik, wird zuk\u00fcnftig hoffentlich belegen k\u00f6nnen, ob und wie sich das Verhalten unserer Rassen ver\u00e4ndert. Eine Zuchtstrategie und somit auch die Verhaltensbeurteilung als Werkzeug zur Erreichung von Zuchtzielen, das Selektion beinhaltet, muss f\u00fcr den Zweck geeignet sein und wirksam sein und ben\u00f6tigt Erfolgskontrolle. Sie muss \u00fcberdacht werden, wenn Erfolge nicht nachweisbar sind. Je nach Ergebnis kann die Strategie beibehalten werden oder modifiziert werden oder auch zugunsten einer besseren neuen Strategie aufgegeben werden. Hundezucht ist eine Herausforderung!<\/p>\n<p>oder<\/p>\n<p><em>\u201eHundezucht ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die nicht durch Emotionen, sondern vor allem durch sachbezogenes Wissen bestimmt sein sollte\u201c <\/em>(Eichelberg, H.: Gedanken zur zeitgem\u00e4\u00dfen Hundezucht, GKF Rundschreiben Nr. 26, Dezember 2007, S. 19).<\/p>\n<p><em>Dr. Helena Niehof-Oellers <\/em><\/p>\n<ol start=\"31\">\n<li><em> Dezember 2020<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Informationen zur neuen Verhaltensbeurteilung im DRC<\/strong><\/p>\n<p>Die neue Ordnung des DRC f\u00fcr die Verhaltensbeurteilung (VHB) wurde im November 2020 verabschiedet. Dazu fanden insgesamt 6 Lehrwesenstests statt. Gemeinsam mit Dr. Tina Johann als Ausbilderin wurden einige Erg\u00e4nzungen in den Formulierungen der Ordnung -auch im Hinblick auf die f\u00fcr eine wissenschaftlich fundierte VHB notwendige Standardisierung- und \u00c4nderungen einiger Codes f\u00fcr n\u00f6tig befunden. Alle vorgeschlagenen \u00c4nderungen und Erg\u00e4nzungen wurden vom erweiterten Vorstand am 5. September 2021 einstimmig beschlossen. Die kommenden Verhaltensbeurteilungen (ab August 2021 nur noch nach neuer Ordnung) werden zeigen, ob noch weitere \u00c4nderungen notwendig sein werden.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu den Lehrwesenstests wurden weitere Fortbildungen (u.a. mit Dr. Corinna Dehn und Dr. Celina del Amo) angeboten, die von vielen Richtern und Anw\u00e4rtern sowohl in Pr\u00e4senz als auch online wahrgenommen wurden.<\/p>\n<p>Seit Juni 2019 wurden insgesamt 17 DRC-Mitglieder als Anw\u00e4rter f\u00fcr das Amt des Verhaltensbeurteilers neu ernannt. 13 Anw\u00e4rter bestanden seitdem ihre Zwischenpr\u00fcfung; eine Assistentin bestand ihre Abschlusspr\u00fcfung noch nach alter Ordnung. Viele Assistenten h\u00e4tten gern an der n\u00e4chsten Abschlusspr\u00fcfung teilgenommen. F\u00fcr die gro\u00dfe Anzahl ergaben sich allerdings nicht l\u00f6sbare logistische Probleme. Zumindest aber 6 Assistenten konnten am 1. und 2.10.2021 erfolgreich ihre Abschlusspr\u00fcfung ablegen und wurden dem erweiterten Vorstand zur Ernennung vorgeschlagen. Eine Abschlusspr\u00fcfung mit weiteren 6 Assistenten ist bereits in Vorbereitung.<\/p>\n<p>Somit besteht Hoffnung, dass der Engpass an verf\u00fcgbaren Pl\u00e4tzen (bedingt durch den eklatanten Mangel an Richtern und versch\u00e4rft durch die Pandemie) demn\u00e4chst durch eine h\u00f6here Anzahl zur Verf\u00fcgung stehender Richter behoben sein wird<\/p>\n<p>Mehrfach wurde von verschiedenen Seiten eine Erkl\u00e4rung des neu eingef\u00fchrten Netzdiagrammes oder Spinnennetzdiagramms gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Spinnennetzdiagramm.png\" rel=\"lightbox[1267]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7843\" src=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Spinnennetzdiagramm-300x163.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"163\" srcset=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Spinnennetzdiagramm-300x163.png 300w, https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Spinnennetzdiagramm-1024x558.png 1024w, https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Spinnennetzdiagramm-768x418.png 768w, https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Spinnennetzdiagramm.png 1528w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein Netzdiagramm ist die graphische Darstellung von Werten in Form eines Spinnennetzes. Im Falle der neuen VHB des DRC besteht dieses Spinnennetzdiagramm aus f\u00fcnf konzentrischen Zw\u00f6lfecken. Jedes der f\u00fcnf Zw\u00f6lfecke steht von innen (eins) nach au\u00dfen (f\u00fcnf) f\u00fcr einen der f\u00fcnf Codes. Die 12 Ecken stehen f\u00fcr die 12 Verhaltensbereiche, die im Test beurteilt werden. In den sieben verschiedenen Testsituationen werden nicht alle feststellbaren Verhaltensweisen, sondern nur die f\u00fcr diese Situation wichtigen codiert. Daraus resultiert die unterschiedliche Anzahl von Codes. Im neuen Spinnennetzdiagramm wird jeweils der Median der vergebenen Codes eingetragen. Der Median, auch Zentralwert genannt, ist der Wert, der genau in der Mitte steht, wenn man die Messwerte der Gr\u00f6\u00dfe nach sortiert. \u00a0Die Ecken im Spinnennetzdiagramm \u00a0sind so angeordnet, dass sich Aktivit\u00e4t und Neugierverhalten in etwa bei 12 und 6 Uhr gegen\u00fcberstehen. Im Uhrzeigersinn werden nacheinander auf der rechten Seite aufgef\u00fchrt: Beuteverhalten, Tragen\/Zutragen, Suchverhalten, Sozialverhalten, Spielverhalten. Auf der linken Seite des Diagramms folgen dem Neugierverhalten: Beschwichtigungsverhalten gegen\u00fcber Menschen und der unbelebten Umwelt, Schreckhaftigkeit und abgetrennt davon die Schreckhaftigkeit beim Schuss (wegen der Bedeutung des Schusses bei Jagdhunden). Ganz zum Schluss steht das Aggressionsverhalten.<\/p>\n<p>Am Ende der VHB werden die vergebenen\u00a0 Codes der Gr\u00f6\u00dfe nach in die jeweils zu den Verhaltensbereichen geh\u00f6rigen K\u00e4stchen eingetragen und daraus der Median ermittelt. Dieser wird auf der dazugeh\u00f6rigen Ecke als Punkt positioniert. Die 12 Punkte werden miteinander verbunden. So kann schnell erfasst werden, mit welchem Code die 12 beurteilten Verhaltensweisen bei dem Hund auftreten.<\/p>\n<p>Jeder Z\u00fcchter kann sich f\u00fcr seine Rasse sein eigenes Spinnendiagramm zusammenstellen mit den f\u00fcr sein Idealbild der Rasse passenden Werten. Dieses Idealbild darf selbstverst\u00e4ndlich nicht den im FCI-Standard der Rasse beschriebenen Eigenschaften entgegenstehen. Je nach vorgesehenem Einsatz der Hunde mag f\u00fcr den einen Z\u00fcchter das Beute- und Suchverhalten von gro\u00dfer Wichtigkeit sein, f\u00fcr einen anderen, dessen Hunde im sozialen Einsatz t\u00e4tig werden sollen, kann das Sozialverhalten und das Beschwichtigungsverhalten Menschen gegen\u00fcber von gr\u00f6\u00dferer Wichtigkeit sein. Durch den Vergleich des Spinnendiagramms der von ihm gez\u00fcchteten Hunde mit seinem Ideal l\u00e4sst sich anschaulich feststellen, ob diese seinem Zuchtziel nahekommen.<\/p>\n<p>In der neuen Datenbank des DRC sollen die Spinnendiagramme (aber auch s\u00e4mtliche vergebene Codes) ver\u00f6ffentlicht werden. Es soll auch die M\u00f6glichkeit einer Paarungsplanung f\u00fcr das Verhalten geben, indem die Spinnendiagramme von R\u00fcde und H\u00fcndin \u00fcbereinander gelegt werden k\u00f6nnen. Vor- oder auch Nachteile der Planung werden sofort sichtbar. Das Spinnendiagramm ist so auch hilfreich f\u00fcr \u00dcberlegungen, ob die angedachte Paarungen den Z\u00fcchter seinen Zielen n\u00e4herbringen und eventuelle Schw\u00e4chen des R\u00fcden\/der H\u00fcndin ausgleichen oder m\u00f6glicherweise potenzieren k\u00f6nnten..<\/p>\n<p>Da die neue VHB im Gegensatz zum alten Wesenstest die Hauptg\u00fctekriterien f\u00fcr wissenschaftliche Tests erf\u00fcllt und die festgestellten Eigenschaften anhand der Codes auch gemessen werden, k\u00f6nnen die Beurteilungen jetzt statistisch ausgewertet werden, um so die Eignung und Wirksamkeit der neuen VHB festzustellen. Der Aufwand f\u00fcr die Beurteilungen ist nicht unerheblich. Dieser ist aber zu rechtfertigen, wenn Erfolge anhand der Codes des Spinnendiagramms messbar sind. Es ist zu hoffen, dass sich das neue System nachweisbar bew\u00e4hren wird oder aber wirksamere Strategien entwickelt werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Abschlusspruefung.jpg\" rel=\"lightbox[1267]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7844\" src=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Abschlusspruefung-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Abschlusspruefung-300x225.jpg 300w, https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Abschlusspruefung.jpg 320w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Danke an die BZG D\u00fcsseldorf mit ihren unerm\u00fcdlichen Helfern f\u00fcr die wiederholte Bereitstellung des Gel\u00e4ndes f\u00fcr die Lehrwesenstests und die Pr\u00fcfungen.<\/p>\n<p>Leni Niehof 11.10.2021<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windm\u00fchlen. Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Mein Weg zu einer ethologisch vertretbaren Verhaltensbeurteilung ist fast beendet. Am 26.6 2022 werde ich nach drei Jahren harter Arbeit, leider auch mit sehr vielen Anfeindungen, mein Amt als Obfrau f\u00fcr die Wesensrichter abgeben. 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