﻿{"id":1254,"date":"2015-09-04T14:11:41","date_gmt":"2015-09-04T12:11:41","guid":{"rendered":"http:\/\/keienfenn.de\/WP\/?page_id=1254"},"modified":"2026-09-29T15:46:36","modified_gmt":"2026-09-29T13:46:36","slug":"field-and-mock-trials","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/field-and-mock-trials\/","title":{"rendered":"Field and Mock Trials"},"content":{"rendered":"<p><b>Field und Mock Trials &#8211; kein Buch mit sieben Siegeln<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00dcber die Einladung von Robert Robertson zum Richten des zweiten Mock Trial in Engelskirchen habe ich mich gefreut. Ich sch\u00e4tze Bobbys Art der Hundeausbildung ohne Gewalt. Da ich gern von kompetenten Menschen lerne, bat ich Bobby als Richteranw\u00e4rter teilnehmen zu d\u00fcrfen. Um auch den Menschen, die sich mit Trials noch nicht so gut auskennen, diese Art der Pr\u00fcfung n\u00e4herzubringen, komme ich dem Wunsch der Sonderleitung nach einem Bericht gern nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nach langer Tradition wird die Leistung von Retrievern im Mutterland Gro\u00dfbritannien auf sogenannten Field Trials in verschiedenen Klassen (nocice und open) \u00fcberpr\u00fcft. Um eine solche Pr\u00fcfung zu verstehen, m\u00fcssen einige Begriffe und die andere Art des Richtens erkl\u00e4rt werden.<br \/>\nEin Field Trial ist eine Jagdpr\u00fcfung am lebenden Wild anl\u00e4sslich einer Jagd.<br \/>\nField Trials sind grunds\u00e4tzlich ein geeignetes Kriterium, um Hunde f\u00fcr die Zucht zu selektieren, da die Hunde in dem Bereich gepr\u00fcft werden, f\u00fcr den sie urspr\u00fcnglich gez\u00fcchtet wurden. Diese Eigenschaften, die den Labrador Retriever auch bef\u00e4higen, ein anpassungsf\u00e4higer Begleit- und Familienhund zu sein, m\u00fcssen unbedingt erhalten werden. Dennoch darf man nicht vergessen, dass Field Trials mit der jagdlichen Praxis nur entfernt zu tun haben. Ein Wettbewerb beinhaltet immer auch eine sportliche Komponente. So ist es sicher nicht praxisnah, wenn gerade der Hund zum St\u00fcck geschickt wird, der davon am weitesten entfernt ist oder der Hund, bevor er zum St\u00fcck geschickt wird, vom Richter sogar ein ganzes St\u00fcck zur\u00fcckgef\u00fchrt wird oder wenn ein Hund ausscheidet, weil er den falschen Vogel gebracht hat, obwohl sich an der vom Richter bezeichneten Stelle gar kein St\u00fcck Wild befand. Dieses ist aber letztendlich vertretbar, damit alle Komponenten der Retrieverarbeit w\u00e4hrend dieser Pr\u00fcfung abgefragt werden k\u00f6nnen. Solange die Durchf\u00fchrung von Field Trials nicht tierschutzrelevant wird, kann man sie als z\u00fcchterische Selektion durchaus vertreten. Die Jagdethik darf aber niemals verletzt werden und unn\u00f6tiges Leiden von verletzten Tieren ist immer zu vermeiden. Im Internationalen Field Trial Reglement der FCI ist niedergelegt, dass der jagdlichen Ethik h\u00f6chste Priorit\u00e4t einger\u00e4umt werden muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr Deutschland eignet sich diese Form der Pr\u00fcfung nur bedingt, da es nicht allzu viele Reviere gibt, in denen die Niederwildstrecken so hoch sind, dass f\u00fcr eine Mindestzahl von 10 Hunden gen\u00fcgend St\u00fccke zur Verf\u00fcgung stehen.<br \/>\nIch hoffe sehr, dass es gelingen wird, eine f\u00fcr deutsche Verh\u00e4ltnisse geeignete Pr\u00fcfung anl\u00e4sslich einer Jagd zu gestalten, auf der eine geringe Anzahl von Hunden am lebenden Wild gepr\u00fcft werden kann, so wie es in \u00d6sterreich schon m\u00f6glich ist. Die in Deutschland leider in vielen Bundesl\u00e4ndern wieder erlaubte Pr\u00fcfung an der lebenden Ente ist mit einer Pr\u00fcfung w\u00e4hrend einer wirklichen Jagd nicht zu vergleichen. Hier soll der Hund die Schwimmspur einer flugunf\u00e4hig gemachten aber <strong>gesunden <\/strong>Ente arbeiten.<br \/>\nGerade Retriever aus Arbeitslinien, die bejagt sind und schon viele lebende Enten auf der Jagd apportiert haben, \u201eversagen\u201c nicht selten in diesem Fach, da sie die mittels Papiermanschette flugunf\u00e4hig gemachte Ente nicht als gefl\u00fcgelt, also krank, ansehen. Der Retriever ist in der Tat f\u00fcr die Arbeit <strong>nach<\/strong> dem Schuss gez\u00fcchtet. Gesundes Wild zu jagen, ist nicht seine Aufgabe und sollte ihm nie erlaubt, geschweige denn von ihm gefordert werden.<br \/>\nDas Bewertungssystem f\u00fcr Field Trials im Vereinigten K\u00f6nigreich ist v\u00f6llig anders als wir es von den deutschen Pr\u00fcfungen mit vorgeschriebenen F\u00e4chern und verschiedenen Leistungsziffern kennen. Es ist Aufgabe der Richter unter jagdlichen Gesichtspunkten den Hund mit der an diesem Tage h\u00f6chsten Leistung\u00a0 zu finden. Daher ist die nat\u00fcrliche Veranlagung, Wild zu finden <strong>(natural game finding ability)<\/strong> von gr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit.<br \/>\nIm Vereinigten K\u00f6nigreich wird nach den Field Trial Regulations des Kennel Club in verschiedenen Klassen (Puppy, Novice, All Aged und Open) gerichtet, w\u00e4hrend auf dem Kontinent das Internationale Reglement f\u00fcr Field Trials f\u00fcr Retriever der FCI (https:\/\/drc.de\/fileadmin\/ordnungen\/pruefungen\/jagdlich\/ord_fci_ft_reglement_2201.pdf) mit \u00e4hnlichen Regeln G\u00fcltigkeit hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Allgemein gilt, dass immer nur maximal vier Reihenfolgepreise vergeben werden. In Gro\u00dfbritannien k\u00f6nnen f\u00fcr Hunde, die bis zum Schluss einwandfrei gearbeitet haben aber nicht platziert wurden, zus\u00e4tzlich sogenannte <strong>Certificates of Merit (COM)<\/strong> oder anl\u00e4sslich der IGL Retriever Championship (den britischen Jagdmeisterschaften) <strong>Diplomas of Merit (DOM)<\/strong> vergeben werden. Auf dem Kontinent erhalten die Hunde nach FCI-Regeln zus\u00e4tzlich Bewertungen je nach Anzahl und Qualit\u00e4t der absolvierten Apporte. Nicht selten bleiben aber auch weniger als vier Hunde \u00fcbrig, die das Field Trial \u00fcberhaupt bestehen und u. U. auch kein einziger. Wenn ein Hund keinen Fehler macht, erh\u00e4lt er in Abh\u00e4ngigkeit von der Wilddichte bei Field Trials auf dem Kontinent in der Regel Gelegenheit zu mindestens f\u00fcnf Apporten, die mit A oder A +, A- oder B bewertet werden. Ziel ist das schnelle Apportieren in die Hand des F\u00fchrers. Ein \u201eA\u201c wird i.d.R. f\u00fcr einen normalen, sauberen Apport vergeben, w\u00e4hrend f\u00fcr ein \u201eA+\u201c eine wirklich au\u00dfergew\u00f6hnliche Arbeit vorliegen muss.\u00a0 Bei einem Mock Trial wird kein A+ vergeben, bei einem F. T. selten, z. B. f\u00fcr\u00a0 eine besonders gute Leistung bei der Verfolgung eines gefl\u00fcgelten Fasans (Runner). Ein \u201eA-\u201c beschreibt einen Apport, der besser h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, w\u00e4hrend ein \u201eB\u201c bedeutet, dass der Hund das St\u00fcck zwar letztlich gebracht hat, aber mit M\u00e4ngeln und der Hund daher im weiteren Verlauf des Trials nicht mehr aufgerufen werden wird. Bei M\u00e4ngeln der Arbeit kann der Hund auch zur\u00fcckgerufen werden bevor er das St\u00fcck gebracht hat. Die Richter machen sich Notizen, um bei Punktgleichheit eine Entscheidung treffen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nJeder, der seinen Hund f\u00fcr Field Trials meldet, sollte um diese harten Regelungen wissen und ertragen k\u00f6nnen, wenn sein Hund bei Begehen eines Ausschlussfehlers bereits ausscheiden kann, ohne \u00fcberhaupt etwas apportiert zu haben. Dennoch ist ein Field Trial keine von vornherein ungerechte Pr\u00fcfung, wie vielfach angenommen wird, solange die Richter alle Hunde gleich und gerecht beurteilen. Da die Richter keinen Einfluss darauf haben, wo und wie Wild auf dieser Jagd f\u00e4llt, kann der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Apporte nat\u00fcrlich stark variieren. Bei Field Trials wird daher nicht die <b>Schwierigkeit<\/b> der Apportierarbeit, sondern die <b>Qualit\u00e4t<\/b> der Arbeit beurteilt, d. h. auch einfache Apporte werden mit A beurteilt, wenn sie einwandfrei ausgef\u00fchrt werden.<br \/>\nMinimalanforderungen f\u00fcr die Meldung sind Standruhe <strong>(Steadiness)<\/strong> und sauberes Apportieren in die Hand.<br \/>\nDer Retriever hat mehr oder weniger stark ausgepr\u00e4gte Qualit\u00e4ten, die bei der Bewertung im Field Trial <b>Pluspunkte (Credit Points)<\/b> bringen.<br \/>\nHierzu geh\u00f6ren: die nat\u00fcrliche Anlage Wild zu finden, gute Nase, die nat\u00fcrliche Anlage zum Merken (F\u00e4higkeit, sich die Fallstellen von Wild zu merken), Stil (Geschwindigkeit und Eleganz) und Initiative beim Suchen, Geschwindigkeit und Effizienz beim Apportieren aus jeder Art von Deckung zu Land und aus dem Wasser, richtiges Halten des Wildes mit weichem Maul, ohne aber das eventuell noch lebende Wild entkommen zu lassen, die gute Abgabe des ruhig gehaltenen Wildes mit angehobenem Kopf, die Kontrollierbarkeit und\/bzw. der sogenannte \u201ewill to please\u201c, d. h. der Hund arbeitet gerne mit seinem F\u00fchrer zusammen und nicht f\u00fcr sich, ist gehorsam und lenkbar.\u00a0 Die Ruhe auf dem Stand und bei der Streife (Walk Up) werden als selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><b>Ausschlussgr\u00fcnde (Eliminating Faults)<\/b> auf einem Field Trial laut KC Reglement sind: Fiepen, Winseln oder Bellen, Einspringen (Hund entfernt sich ohne Erlaubnis vom Fu\u00df des F\u00fchrers), au\u00dfer Kontrolle sein <strong>(out of control),<\/strong> (lebendes Wild jagen oder Wildspuren verfolgen), Verweigern des Apportierens, Besch\u00e4digen von Wild, Nichtannahme des Wassers, Tauschen von Wild, Hartm\u00e4uligkeit. Im FCI Reglement werden zus\u00e4tzlich noch erw\u00e4hnt: K\u00f6rperlicher Kontakt mit dem Hund nach dem Ableinen\u00a0 (das Anfassen des Hundes ist erst nach dem Anleinen wieder erlaubt), aggressives Verhalten, Schussscheue.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><b>Schwere Fehler<\/b> <b>(Major Faults)<\/b> laut KC Reglement sind: schlechte Fu\u00dfarbeit, Beunruhigung von Gel\u00e4nde (z. B. anderer R\u00fcckweg als Hinweg beim Apportieren), unsachgem\u00e4\u00dfes nachl\u00e4ssiges Arbeiten, lautes und unsachgem\u00e4\u00dfes F\u00fchren, schlechte Kontrolle \u00fcber den Hund haben, totes oder verletztes Wild nicht finden, nachl\u00e4ssiges Apportieren und Ausgeben des Wildes (schlechtes Halten, Fallenlassen, langsames Hereinkommen), \u201eEye Wipe\u201c.<br \/>\nDas FCI-Reglement f\u00fchrt als schwere Fehler zus\u00e4tzlich noch auf: Unruhe auf dem Stand, die die Aufmerksamkeit des Hundef\u00fchrers erfordert, langsames Arbeiten mit wenig Initiative (fehlende Arbeitsfreude), schlechte Merkf\u00e4higkeit, zu gro\u00dfe Abh\u00e4ngigkeit vom F\u00fchrer, \u201cfirst dog down\u201c.<\/p>\n<p>Auch die Art des F\u00fchrens wird beurteilt. Ein <strong>\u201esilent handling\u201c<\/strong>, ein ruhiges F\u00fchren ohne zu viele laute Kommandos oder lautes anhaltendes Pfeifen wird deutlich bevorzugt. <strong>&#8222;Noisy handling&#8220;,<\/strong> lautes Schreien des F\u00fchrers\u00a0 kann zum Ausschluss f\u00fchren. Der Rihter muss dem F\u00fchrer mitteilen, wenn er einen Ausschlussgrund festgestellt hat. Wurde das Wild von einem Hund mit hartem Maul besch\u00e4digt, muss auch der zweite Richter das Wild untersuchen. Dann muss auch dem Hundef\u00fchrer die Gelegenheit gegeben werden, das beanstandete St\u00fcck zu \u00fcberpr\u00fcfen. Beim Fiepen reicht es jedoch aus, wenn dieses nur von einem Richter geh\u00f6rt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei einem einem Ausschlussgrund scheidet der Hund aus und erh\u00e4lt ein <strong>&#8222;elemine&#8220; (el); <\/strong>auch bei einem schweren Fehler scheidet der Hund von der weiteren Teilnahme aus; er kann allerdings nach FCI Regeln noch mit maximal \u201esehr gut\u201c beurteilt werden, wenn er zuvor mindestens drei Apporte gut gearbeitet hat. Scheidet der Hund mit weniger als drei Apporten aus, ohne dass ein Ausscheidungsgrund vorliegt, erhalten die Hunde die Bewertung <strong>\u201enon classee\u201c<\/strong>, nicht klassiert (NC).<\/p>\n<p>\u00dcblich sind\u00a0 bei Field Trials ein oder zwei Tage <strong>&#8222;stakes&#8220; <\/strong>mit 12 oder 24 Teilnehmern. Es wird in Runden (<strong>\u201erounds\u201c<\/strong>) gearbeitet. In der ersten Runde gibt es normalerweise zwei Apporte f\u00fcr jeden Hund bei einem der beiden Richter. \u00dcblicherweise arbeiten die Hunde, die auf der linken Seite gehen zu Beginn die St\u00fccke, die links gefallen sind, die, die rechts gehen, arbeiten rechts, danach \u00fcberkreuz. Ein St\u00fcck kann auch liegen gelassen, der Walk up fortgesetzt und das St\u00fcck sp\u00e4ter als Einweisearbeit geholt werden. In der zweiten Runde erhalten die Hunde nur einen Apport bei dem jeweils anderen Richter. Danach besprechen sich die Richter und entscheiden, welche Hunde mitgenommen werden und welche ausscheiden sollen. In der 3. Runde kann es nach Entscheidung der Richter und in Abh\u00e4ngigkeit vom Wildvorkommen einen oder zwei Apporte pro Hund geben. In den eventuell nachfolgenden Runden gibt es meist nur noch einen Apport pro Hund. F\u00fcnf Runden (evtl. auch sechs) mit immer weniger Hunden sind \u00fcblich, oft gefolgt von einem Stechen <strong>(Run Off)<\/strong>, wenn die Hunde gleichwertig gearbeitet haben. Der <strong>&#8222;Steward of the Beat&#8220;<\/strong> sorgt f\u00fcr einen reibungslosen Ablauf derPr\u00fcfung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Unter einem <strong>\u201eEye Wipe\u201c<\/strong> versteht man eine vom zuerst geschickten Hund nicht genutzte Chance, Wild zu finden und zu apportieren, wenn dieses St\u00fcck anschlie\u00dfend von einem anderen Hund unter gleichen Bedingungen gebracht oder aber von den Richtern gefunden wird. Der erste Hund, der das St\u00fcck nicht gefunden hat, scheidet aus. Wenn auch der zweite Hund nicht findet, k\u00f6nnen u. U. weitere Hunde geschickt werden (\u00fcblicherweise bei einem Mock Trial) sodass u. U. 3 Hunde ausscheiden, wenn der 4. Hund das St\u00fcck findet.\u00a0 Wird das Wild an einer Stelle gefunden, die weder der zuerst geschickte oder weitere Hunde gar nicht abgesucht haben, spricht man von einem <strong>\u201etechnical eye wipe\u201c.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>\u201eFirst dog down\u201c<\/strong> bedeutet die vom zuerst und ohne Verz\u00f6gerung direkt nach dem Fall des St\u00fcckes geschickten Hund nicht genutzte Chance, ein verletztes St\u00fcck Wild, dessen Fall er beobachten konnte, zu finden. Wenn der zuerst geschickte\u00a0 Hund das St\u00fcck nicht findet, gilt das als schwerer Fehler und f\u00fchrt zum Ausschluss, auch wenn die Richter und sp\u00e4ter geschickte Hunde dieses St\u00fcck ebenfalls nicht finden. Die nachfolgenden Hunde jedoch scheiden <strong>nicht<\/strong> aus, wohl aber der zuerst direkt aus der Linie heraus geschickte Hund. Im Gegensatz zum \u201eEye Wipe\u201c hat der erste Hund durch die r\u00e4umliche und zeitliche N\u00e4he zum Geschehen in aller Regel bessere Bedingungen, das Wild zu finden. Dennoch kann auch der zweite Hund ausscheiden <strong>(\u201esecond dog down&#8220;), <\/strong>z. B. wenn er einen Ausscheidungsfehler begeht oder nicht in dem Suchengebiet des Marks arbeitet. Das Halten des Hundes im Gebiet der Fallstelle in einem kleinen Gebiet <strong>(&#8222;hold the area&#8220;)<\/strong> ist wichtig f\u00fcr eine effiziente Suche. Ist seit dem Fall des St\u00fcckes sehr viel Zeit verstrichen, muss auch der zuerst geschickte nicht ausscheiden, da er keinen Vorteil f\u00fcr die Arbeit hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei einem <strong>\u201eWalk up\u201c<\/strong> (entspricht in etwa einer b\u00f6hmischen Streife) gehen die zwei Richter mit je zwei Hunden unangeleint in der Linie (line), die niedrigsten Nummern (beginnend mit 1 und 2)\u00a0 jeweils rechts vom Richter, die folgenden zwei (3 und 4) links. Die Linie muss eingehalten werden <strong>(hold the line), <\/strong>damit m\u00f6glichst kein Wild entkommen kann, d. h. jeder in der Line sollte sowohl rechts als auch links von sich nur eine Person sehen k\u00f6nnen. Die Linie bewegt sich solange vorw\u00e4rts bis Wild aufsteht und geschossen wird. Wird ein St\u00fcck oder werden auch mehrere getroffen, wird auf Anweisung des Richters ein Hund geschickt, um das angegebene St\u00fcck zu finden und zu bringen. Ein Richter darf auch aus der Linie\u00a0 vorgehen, um zu schauen, wie der Hund arbeitet, was er richtig macht und dem anderen Richter davon berichten. Die Hunde arbeiten im Wechsel und sobald der rechte Hund die f\u00fcr die Runde erforderliche Anzahl an Apporten absolviert hat, wird er angeleint und der Hundef\u00fchrer verl\u00e4sst die Linie. Der bis dato links neben dem Richter positionierte Hund r\u00fcckt auf die rechte Position, w\u00e4hrend der schon im Hintergrund als sogenannter <strong>\u201eBack up\u201c<\/strong> Hund bereitstehende Hund neu in die Linie aufgerufen wird und den freigewordenen Platz auf der linken Seite des Richters einnimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei einem <strong>\u201eDrive\u201c<\/strong> (Treiben) werden oft alle Teilnehmer dazu aufgerufen, sich nach Anweisung der Richter hinter der Linie der Sch\u00fctzen oder zwischen den Sch\u00fctzen zu positionieren. Die Richter achten darauf, dass die Hunde in der Lage sind, das geschossene Wild gut zu sehen. Nach dem Treiben werden, mit Ausnahme der beiden Hunde mit der jeweils niedrigsten Startnummer, die sich links und rechts des Richters positionieren, alle anderen Hunde angeleint. Die Hunde arbeiten auch hier im Wechsel und sobald der rechte Hund die f\u00fcr die Runde erforderliche Anzahl an Apporten absolviert hat, wird er angeleint und der Hundef\u00fchrer verl\u00e4sst die Linie. Wie beim Walk-up r\u00fcckt auch hier der bisher links neben dem Richter positionierte Hund\u00a0 auf die rechte Position, w\u00e4hrend ein neu aufgerufener Hund den freigewordenen Platz auf der linken Seite des Richters einnimmt.<br \/>\nSowohl beim \u201eWalk up\u201c, als auch beim \u201eDrive\u201c wechseln die noch verbleibenden Teilnehmer f\u00fcr die zweite Runde die Richtergruppe, so dass nach Beendigung der zweiten Runde jeder Teilnehmer, der bis dahin keinen Fehler begangen hat, von allen Richtern mindestens einmal bewertet wurde.<br \/>\nF\u00fcnf Runden mit immer weniger Hunden sind \u00fcblich, oft gefolgt von einem Stechen <strong>(Run Off)<\/strong>, wenn die Hunde gleichwertig gearbeitet haben. Das <strong>Arbeitsziel einer kontrollierten Suche<\/strong> &#8211; auch unter gro\u00dfer Ablenkung und bei Verleitung durch lebendes Wild &#8211; gilt es zu erreichen, damit der Labrador Retriever f\u00fcr die Arbeit nach dem Schuss, f\u00fcr die er gez\u00fcchtet wurde, auch in Zukunft geeignet bleibt. Dies sollte er gelegentlich auch auf Pr\u00fcfungen, auf denen m\u00f6glichst auch die Wildsch\u00e4rfe \u00fcberpr\u00fcft werden kann oder auf Pr\u00fcfungen mit kaltem Wild <strong>(Cold Game Working Test)<\/strong>, sowie f\u00fcr Nichtj\u00e4ger alternativ auch auf Working Tests oder Dummy Trials beweisen k\u00f6nnen. Ziel eines Dummy oder auch Mock Trials ist es, die jagdliche Situation w\u00e4hrend eines Field Trials mithilfe von Dummys so authentisch wie m\u00f6glich nachzustellen. Dabei wird auch nach denselben Richtlinien wie bei einem Field Trial gerichtet. Mock Trials sind eine sch\u00f6ne Gelegenheit, Hunde f\u00fcr den praktischen Jagdeinsatz unter besser zu kontrollierenden Voraussetzungen und ohne den hohen Erregungsfaktor, den das lebende Wild f\u00fcr die Hunde bedeutet, vorzubereiten.<br \/>\nIm Unterschied zu Working Tests werden bei Mock Trials nicht nur Einzelsituationen nachgestellt, sondern der Gesamtablauf einer Jagd. Wenngleich es sich nur um Dummys handelt, werden alle anderen Umst\u00e4nde, wie beispielsweise die Organisation des Ablaufs, die Abgabe der Sch\u00fcsse mit Flinten und die Bewertung der Apporte, wie bei einem Field Trial gehandhabt. Das Ziel eines gelungenen Mock Trials sollte also sein, alle Arbeiten f\u00fcr Hund, Hundef\u00fchrer und Richter unvorhersehbar so zu gestalten, dass wie auf der praktischen Jagd keine Situation der anderen gleicht und jeder Apport anders sein kann. Genau diese Details machen Trials zu einem so spannenden Erlebnis. Das allererste Dummy Trial, auf dem ich jemals gef\u00fchrt habe, wurde 2005 von Andreas P\u00f6zlberger in \u00d6sterreich in dieser Weise vorz\u00fcglich vorbereitet.<br \/>\nLeider ist es heute bei etlichen Mock Trials eher \u00fcblich, die Aufgaben \u00e4hnlich wie bei einem Working Test f\u00fcr alle Hunde in etwa gleich zu stellen, nur die Art des Richtens entspricht dem bei einem echten Trial. Dummys dienen bei Pr\u00fcfungen dieser Art als Wildattrappe zur Vorbereitung f\u00fcr<strong> \u201ethe real thing\u201c<\/strong>, wie die Jagd in Gro\u00dfbritannien manchmal genannt wird. F\u00fcr nicht jagdlich gef\u00fchrte Retriever sollte in aller Regel kein Tier sein Leben lassen m\u00fcssen. Dummys bieten hier einen dauerhaften Ersatz f\u00fcr die jagdliche Arbeit. W\u00fcnschenswert w\u00e4re das Angebot der jagdlichen Pr\u00fcfungen auch unter Einsatz von Dummys, so wie der DRC es schon einmal f\u00fcr eine kurze Zeit geregelt hatte, denn alle Retriever sind Jagdhunde und m\u00fcssen das unter z\u00fcchterischem Aspekt auch bleiben. Die Arbeit mit dem Retriever sollte daher immer aus einer jagdnahen Betrachtungsweise erfolgen, auch die vorbereitende oder auch ausschlie\u00dfliche Arbeit mit dem Dummy.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zum Schluss noch ein paar Worte zum Mock Trial in Engelskirchen.<br \/>\nEs war wohltuend, dieses gut organisierte Trial mitzuerleben. Die Aufgaben entsprachen sehr den deutschen Jagdgepflogenheiten und wurden allesamt als Treiben durchgef\u00fchrt. Durch spezielle Aufgabenstellung wurden sowohl der Gehorsam (u. a. bei der Fu\u00dfarbeit) als auch das selbst\u00e4ndige Arbeiten ohne Einflussnahme durch den F\u00fchrer abgefragt. Durch eine Steigerung der Anzahl der Sch\u00fcsse wurden die Anforderungen an die Steadiness nach und nach erh\u00f6ht, so wie es tats\u00e4chlich am Ende eines langen anstrengenden Treibens oft der Fall ist.<br \/>\n\u00dcberall sp\u00fcrte man Bobbys \u00fcberaus hohe Erfahrung und ganz selbstverst\u00e4ndlich verstand er es, alle Arbeiten, die f\u00fcr einen Retriever wichtig sind, in die verschiedenen Runden einzubauen.<br \/>\nEs war sch\u00f6n, von ihm lernen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><b>August 2013 Niehof<\/b><\/p>\n<p>PS: \u00c4nderungen der FCI-Kommission vom 27.01.2022<\/p>\n<p><strong>Field Trials<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Schlechte Kontrolle gilt als schwerer Fehler<\/li>\n<li>Nicht nur schwere Fehler, sondern bereits ein B-Retrieve f\u00fchrt zum Ausschluss des Hundes<\/li>\n<li>Nichtverf\u00fcgbarkeit von Wasser spricht der Vergabe des FCI CACIT nicht mehr entgegegen; der Titel eines internationalen Arbeitschampions ist an die Vorlage eines Wasserzertifikats gekn\u00fcpft: kann auf jeder offiziellen, nationalen Retrieverpr\u00fcfung und von jedem offiziellen, nationalen Richter ausgestellt werden<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>European Retriever Championship<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Richtlinien f\u00fcr die Selektion der Teilnehmer: Punktesystem f\u00fcr die besten 5 Ergebnisse der letzten beiden Jagdsaisons<\/li>\n<li>Nationalit\u00e4t der Teilnehmer: Eigent\u00fcmer und Hundef\u00fchrer m\u00fcssen die Staatsangeh\u00f6rigkeit des Landes besitzen, f\u00fcr das der Hund antritt oder beide m\u00fcssen seit mindestens 12 Monaten ihren rechtm\u00e4\u00dfigen Wohnsitz in demjenigen Land haben, f\u00fcr das der Hund antritt<\/li>\n<li>Liste der FCI Field Trial Richter wird als Bestandteil des Reglements im Anhang aufgef\u00fchrt<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Internationale Working Tests<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Eigent\u00fcmer und Hundef\u00fchrer m\u00fcssen die Staatsangeh\u00f6rigkeit des Landes besitzen, f\u00fcr das der Hund antritt oder beide m\u00fcssen seit mindestens 12 Monaten ihren rechtm\u00e4\u00dfigen Wohnsitz in demjenigen Land haben, f\u00fcr das der Hund antritt; der teilnehmende Hund muss seit mindestens 12 Monaten im Zuchtbuch (oder im Anhang des Zuchtbuchs) der nationalen kynologischen Organisation, f\u00fcr die er antritt eingetragen sein<\/li>\n<li>F\u00fcr jede Aufgabe k\u00f6nnen-unabh\u00e4ngig von der Anzahl der Apporte in dieser Aufgabe-maximal 20 Punkte vergeben werden.Die Apporte werden nicht einzeln bewertet, sondern die Aufgabe in ihrer Gesamtheit bewertet.<\/li>\n<li>Eine Null in einer Aufgabe f\u00fchrt zur Gesamtbewertung &#8222;nicht klassiert&#8220; (NC, non classe)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Field und Mock Trials &#8211; kein Buch mit sieben Siegeln \u00dcber die Einladung von Robert Robertson zum Richten des zweiten Mock Trial in Engelskirchen habe ich mich gefreut. 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