﻿{"id":1252,"date":"2015-09-04T14:11:18","date_gmt":"2015-09-04T12:11:18","guid":{"rendered":"http:\/\/keienfenn.de\/WP\/?page_id=1252"},"modified":"2017-09-24T16:55:43","modified_gmt":"2017-09-24T14:55:43","slug":"der-neue-dna-test-fuer-sd2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/der-neue-dna-test-fuer-sd2\/","title":{"rendered":"Der neue DNA-Test f\u00fcr SD2"},"content":{"rendered":"<h2>Der neue DNA-Test f\u00fcr SD2 beim Labrador Retriever<\/h2>\n<p><b><i>SD2 &#8211; skeletal dysplasia 2 &#8211; eine milde Form des disproportionierten Zwergwuchses<\/i><\/b><\/p>\n<p>Molekulargenetik unter z\u00fcchterischem Aspekt<\/p>\n<p><b>Geschichte der Rasse Labrador Retriever und Entwicklung der Zucht<\/b><\/p>\n<p>Die meisten der ca. 400 vom VDH anerkannten Hunderassen sind relativ jung, so auch der Labrador Retriever, der 1903 als eigenst\u00e4ndige Rasse vom englischen Kennel Club anerkannt wurde.<\/p>\n<p>Hervorgegangen ist sie aus Hunden, die um 1800 aus Neufundland importiert wurden. Die wichtigsten Z\u00fcchter damals waren der Duke of Buccleuch, Lord Malmesbury, Lord Home und Lord John Scott. Der erste Eintrag im Zuchtbuch des Duke of Buccleuch erfolgte im Jahr 1882 mit <i>Buccleuch Ned<\/i> (nach Lord Malmesbury\u2019s <i>Sweep<\/i> (1977), aus Lord Malmesbury\u2019s <i>Juno<\/i> (1878). 1885 und 1868 folgen <i>Buccleuch Avon<\/i> (nach Lord Malmesbury\u2019s <i>Tramp<\/i>, aus Lord Malmesbury\u2019s <i>Juno<\/i>) und <i>Buccleuch Nell<\/i> (nach Lord Wimborne&#8217;s dog 1882 und ebenfalls aus Lord Malmesbury\u2019s <i>Juno<\/i>). Fast alle unsere heutigen Labrador Retriever lassen sich auf diese Ursprungstiere zur\u00fcckf\u00fchren. <i>Buccleuch Avon<\/i> gilt als Stammvater der Labradors. Die Z\u00fcchter versuchten die Rasse \u201erein\u201c zu halten. So wurde schon damals relativ eng gez\u00fcchtet. <i>Buccleuch Sailor<\/i> (1892) z. B. ist unter Ahnenverlust liniengez\u00fcchtet auf Sir Frederick Graham\u2018s <i>Netherby Kielder<\/i> (1872). Seine 4-Generationen-Ahnentafel enth\u00e4lt anstelle der 30 m\u00f6glichen nur noch 26 verschiedene Ahnen. Verpaarungen von Bruder und Schwester waren nicht ungew\u00f6hnlich, aber auch das Einkreuzen anderer Rassen war lange Zeit m\u00f6glich. Besonders beliebt war das Kreuzen von Labradors mit anderen Retrievervariet\u00e4ten. W\u00e4hrend oder nach dem 2. Weltkrieg wurden vermutlich aber auch Rassen anderer Gruppen eingekreuzt (Rottweiler, Border Collie) bis die Zuchtb\u00fccher geschlossen wurden und eine Auffrischung des Genpools nicht mehr m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Der Labrador wurde und wird z. T immer noch als robuste, wenig anf\u00e4llige Rasse beschrieben. Heute werden aber neben den schon l\u00e4nger bekannten Krankheiten immer neue Probleme bekannt, wie zum Beispiel ED (Ellenbogendysplasie), CNM (Centronukle\u00e4re Myopathie), EIC (Exercise Induced Collapse) und HNPK (heredit\u00e4re nasale Parakeratose). Zum Teil mag es an der verbesserten Diagnostik liegen. Es ist aber auch zu vermuten, dass durch In- und Linienzucht und dem damit verbundenen Anstieg der Homozygotie vermehrt rezessive Krankheiten, die jahrzehntelang im Verborgenen geschlummert haben, relativ pl\u00f6tzlich offenbar werden. Genau das scheint auch bei der o. a. Form des Zwergwuchses des Labrador Retrievers der Fall zu sein.<\/p>\n<p><b>Formen des Zwergwuchses<\/b><\/p>\n<p>In der Literatur werden verschiedene Formen von Zwergwuchs bei diversen Rassen beschrieben.<\/p>\n<p>Beim Labrador bekannt ist <b>RD\/OSD<\/b> (Retinadysplasie\/Okuloskeletale Dysplasie). W\u00e4hrend einzelne Netzhautfalten (fokale, multifokale Form der Retinadysplasie) als harmlos betrachtet werden k\u00f6nnen, hat die sogenannte geographische Form der Retinadysplasie mit v\u00f6lliger Abl\u00f6sung der Netzhaut Blindheit zur Folge und kann manchmal mit schwerer Skelettmissbildung vergesellschaftet sein und zu Zwergwuchs f\u00fchren. Diese Mutation kommt selten vor. RD\/OSD wird autosomal rezessiv vererbt. Ein DNA-Test steht seit einigen Jahren zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Ebenso wird <b>CD <\/b>(Chondrodysplasie) beim Labrador beschrieben. Bei chondrodysplastischen Rassen wie Teckel und Basset sind die kurzen krummen Beine ein charakteristisches Merkmal. Diese Form des Zwergwuchses geht mit einem sogenannten \u201eradius curvus\u201c einher. Ein vorzeitiger Wachstumsstillstand der Elle bei noch weiter wachsendem Radius f\u00fchrt beim Junghund zu einer Verkr\u00fcmmung der Vordergliedma\u00dfen mit ausw\u00e4rts gestellten Pfoten. H\u00e4ufig resultieren daraus sekund\u00e4ren Gelenkprobleme, besonders im Ellenbogen. Ein \u201eradius curvus\u201c kann r\u00f6ntgenologisch diagnostiziert werden. Die Analyse der Ahnentafeln von Labradors mit CD macht einen rezessiven Erbgang zumindest wahrscheinlich.<\/p>\n<p>Eine kurze Beschreibung von<b> SD2<\/b> findet sich auf der Homepage des Institutes f\u00fcr Genetik der Universit\u00e4t Bern.<\/p>\n<p>\u201eSkeletale Dysplasien sind vererbte Anomalien des Knorpel- und Knochenwachstums, die zu &#8218;Disproportioniertem Zwergwuchs&#8216; f\u00fchren und bei verschiedenen normalw\u00fcchsigen Rassen vorkommen. Es kommt zu einem fr\u00fchzeitigen Stillstand des Knochenwachstums der langen R\u00f6hrenknochen, vor allem in der Vorhand. Die Rumpfl\u00e4nge und \u2013tiefe sind nicht beeintr\u00e4chtigt. Die ausgewachsenen Hunde sind in der Hinterhand \u00fcberbaut und stehen auf zu kurzen L\u00e4ufen. Betroffene Labrador Retriever haben in der Regel nur etwas k\u00fcrzere Beine, aber nach bisherigem Kenntnisstand keine gesundheitlichen Probleme wie z.B. sekund\u00e4re Gelenkserkrankungen. Die SD2 wird durch eine andere Mutation verursacht als die ebenfalls beim Labrador Retriever auftretende Retinadysplasie\/Okuloskeletale Dysplasie (RD\/OSD), welche zu schwerwiegenden gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p>Quelle: <a class=\"link\" title=\"\" href=\"http:\/\/www.genetics.unibe.ch\/content\/forschung\/labrador_zwergwuchs\/index_ger.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.genetics.unibe.ch\/content\/forschung\/labrador_zwergwuchs\/index_ger.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.genetics.unibe.ch\/forschung\/dokumente_hund\/disproportionierter_zwergwuchs_beim_labrador_retrieversd2\/index_ger.html\">http:\/\/www.genetics.unibe.ch\/forschung\/dokumente_hund\/disproportionierter_zwergwuchs_beim_labrador_retrieversd2\/index_ger.html<\/a><\/p>\n<p><b>Kleine Labradors<\/b><\/p>\n<p>Zwar wusste man schon lange, dass es gelegentlich kurzbeinige Labradors gibt, aber man machte sich doch keine gro\u00dfen Gedanken um diese kleinen Labradors. Wird doch schon <i>Turk<\/i>, der letzte 1871 von Neufundland nach Hyde importierte Labrador von Major Radcliffe als kurz in den Beinen mit breitem Kopf und breiter Brust beschrieben. F\u00fcr <i>Buccleuch Ned<\/i> wird eine Gr\u00f6\u00dfe von 19 Inch also 48,26 cm, f\u00fcr <i>Avon<\/i> eine von ca. 20 Inch (50,8 cm) angegeben. Diese beiden f\u00fcr die Zucht so wichtigen Ursprungstiere waren also kleiner als das im heutigen Standard gew\u00fcnscht wird (Idealma\u00dfe f\u00fcr Labradors: R\u00fcden 56-57 cm; H\u00fcndinnen 54-56 cm).<\/p>\n<p>Eine Rasse so einheitlich zu z\u00fcchten, dass s\u00e4mtliche Vertreter in der Gr\u00f6\u00dfe um nur 3 cm variieren ist kaum m\u00f6glich. Eine Selektion auf quantitative, polygenetische und umweltvariable Merkmale ist immer schwierig. Gr\u00f6\u00dfe ist aber ein komplexes, quantitatives Merkmal, das durch eine Vielzahl von Genen und auch Umweltfaktoren beeinflusst wird und daher variabel ist. Labradors von nur 50 cm kommen h\u00e4ufiger vor, ebenso gibt es welche mit 60 cm Schulterh\u00f6he oder mehr. In den Proportionen m\u00fcssen sie deshalb nicht zwingend gest\u00f6rt sein. Unterschiede von 10 cm in der Schulterh\u00f6he sind bei Labradors, wie bei anderen gr\u00f6\u00dferen Rassen auch, als normal anzusehen. Die gew\u00fcnschten Proportionen eines Labradors sollen in etwa so beschaffen sein, dass bei einer geraden R\u00fcckenlinie die L\u00e4nge des K\u00f6rpers seiner Schulterh\u00f6he entspricht oder etwas dar\u00fcber liegt; die Brusttiefe soll ungef\u00e4hr der L\u00e4nge der Vorderbeine entsprechen.<\/p>\n<p>Nachdem sich Arbeits- und Ausstellungstyp in den letzten 50 Jahren zum Teil nachteilig ver\u00e4ndert haben, stimmen auch diese Proportionen nicht mehr unbedingt bei allen Tieren. Die Brust beim Schaulabrador scheint immer tiefer zu werden, so dass sie \u00fcber den Ellenbogen reicht und die Beine zumindest optisch verk\u00fcrzt erscheinen l\u00e4sst, w\u00e4hrend die Arbeitslabradors h\u00e4ufig auf \u201erecht hohen\u201c L\u00e4ufen stehen, manchmal noch betont durch mangelnde Brusttiefe.<\/p>\n<p>Die Schulterh\u00f6he eines Hundes ist leider nicht immer ganz so einfach zu messen wie vergleichsweise die Widerristh\u00f6he eines Pferdes, und die Ergebnisse aus verschiedenen Messungen sind nicht jederzeit reproduzierbar. Einmal spielt es eine Rolle, ob der Hund \u00fcberhaupt auf einem ebenen Untergrund steht. Dann wirkt sich auch die psychische Verfassung auf das Messen aus, denn ein unsicherer Hund knickt in den Gelenken etwas ein. Ein Senken des Kopfes macht den Hund kleiner, ein Anheben gr\u00f6\u00dfer. So kann ein Einmessen schnell auch zu einem \u201eVermessen\u201c werden.<\/p>\n<p>Mir war nicht einmal klar, ob diese gelegentlich beobachteten Kleinen nur zuf\u00e4llig besonders klein geraten waren oder ob dieser Kleinwuchs durch eine Mutation bedingt war, die wir z\u00fcchterisch beeinflussen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich sah den ersten auf deutlich zu kurzen L\u00e4ufen stehenden Labrador 2007 als Richterin bei einer Formwertbeurteilung und 2009 einen zweiten aus anderen Linien. Beide H\u00fcndinnen wurden von mir mit 46 cm eingemessen und konnten wegen der Untergr\u00f6\u00dfe nicht zur Zucht zugelassen werden, obwohl es sich in beiden F\u00e4llen um sehr sch\u00f6ne substanzvolle Exemplare handelte.<\/p>\n<p>Als dann 2009 ein kurzl\u00e4ufiger Labrador aus einer von uns gez\u00fcchteten H\u00fcndin zur Welt kam, wurde mir Kleinwuchs beim Labrador erstmals als ein \u201ekleines\u201c Problem unserer Rasse wirklich bewusst. Im Wurf fiel dieser Hund nur durch eine besonders kr\u00e4ftige Statur auf. Dass er deutlich kleiner als seine Wurfgeschwister blieb, stellte sich erst im Laufe der n\u00e4chsten Monate heraus. Der Hund war HD und ED-frei; seine Vorderl\u00e4ufe ziemlich gerade. Beide Elternteile waren RD\/OSD getestet, somit kam diese Form der Skelettdeformierung als Ursache nicht in Frage.<\/p>\n<p><b>Das Forschungsprojekt an der Universit\u00e4t Bern<\/b><\/p>\n<p>Da ich von dem Forschungsprojekt \u00fcber Zwergwuchs beim Hovawart an der Universit\u00e4t Bern unter der Leitung von Professor Tosso Leeb wusste, sah ich eine Chance, etwas f\u00fcr unsere Rasse tun zu k\u00f6nnen und bat ihn im November 2010, den Labrador in seine Forschung einzubeziehen. Er stimmte sofort zu.<\/p>\n<p>Es schienen verschiedene Auspr\u00e4gungsformen von Kleinwuchs beim Labrador vorzukommen. Es gab und gibt kleine, recht gut proportionierte Hunde, aber auch solche, die eindeutig zu kurze Vorderl\u00e4ufe haben. Sie sind nicht unbedingt stark \u00fcberbaut oder haben eine ausgesprochene Fehlstellung der Vordergliedma\u00dfen. Eine mehr oder weniger ausgepr\u00e4gte Fehlstellung der Vordergliedma\u00dfen mit Ausw\u00e4rtsstellung der Pfoten sieht man nach meinen Beobachtungen w\u00e4hrend des Wachstums der kleinen Labradors; im ausgewachsenen Zustand ist diese oft nur noch andeutungsweise zu sehen.<\/p>\n<p>Diese unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen machten es erst einmal wahrscheinlich, dass auch unterschiedliche Ursachen f\u00fcr die Wachstumsst\u00f6rungen in Frage kommen. Das h\u00e4tte die Entwicklung eines DNA-Testes deutlich erschwert. Ein Gentest f\u00fcr ein monogen autosomal rezessives Geschehen dagegen kann heute relativ rasch entwickelt werden. Jeweils 10 Proben von Betroffenen und Nicht-Betroffenen reichen mit sehr gro\u00dfer Sicherheit aus, um die urs\u00e4chliche Mutation im Genom zu finden. Betroffene Hunde m\u00fcssten dann aus einer Tr\u00e4ger mal Tr\u00e4ger Anpaarung stammen und rein theoretisch gesehen m\u00fcssten 25 % der Welpen eines solchen Wurfes betroffen sein. Tats\u00e4chlich konnte ich einen Wurf ausfindig machen, in dem drei kleine Labradors aufgetreten waren; zwei H\u00fcndinnen waren 46 bzw. 49,5 und ein R\u00fcde ca.45 cm hoch. Das machte einen monogen rezessiven Erbgang wiederum sehr wahrscheinlich.<\/p>\n<p>Hoffnungsvoll begann ich also, gezielt nach Besitzern zu kleiner Labradors Ausschau zu halten. Mein Anliegen stie\u00df in fast allen F\u00e4llen auf Verst\u00e4ndnis und bereits bis zum April 2010 standen Blutproben von sechs Kleinen und acht Normalw\u00fcchsigen aus drei Familien zur Verf\u00fcgung. Schon im August gab es gute Nachrichten, die daf\u00fcr sprachen, dass das urs\u00e4chliche Gen lokalisiert werden konnte. Ab September 2010 begann dann Mirjam Frischknecht, eine Biologiestudentin, mit ihrer Masterarbeit zu diesem Thema. Mittlerweile erhielt ich von verschiedenen Seiten Hinweise auf weitere kleine Labradors. In unserem Urlaub in Finnland wurde ich von finnischen Z\u00fcchtern angesprochen, die gro\u00dfes Interesse an dem Projekt hatten und Proben schicken wollten. Auch aus anderen L\u00e4ndern erreichten mich entsprechende Nachrichten. Es war sicher: Kleine Labradors gab es europaweit.<\/p>\n<p>Die Forschung machte dank der gezielt abgenommenen Blutproben rasche Fortschritte und schon bald gab es einen Markertest, auf dessen Ergebnisse, wie immer in solchen F\u00e4llen, noch nicht 100%ig Verlass war. Mitte 2012 kam die Nachricht, dass der urs\u00e4chliche Defekt f\u00fcr den Zwergwuchs gefunden war. Ein direkter Gentest mit nahezu 100%iger Sicherheit wurde entwickelt. Die wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichung dazu ist mittlerweile bei der Fachzeitschrift <i>PLOS One <\/i>eingereicht. Der Gentest wurde nicht patentiert, so dass er bereits seit Oktober 2012 von herk\u00f6mmlichen kommerziellen Labors angeboten wird.<\/p>\n<p><b>Ergebnisse des Forschungsprojektes<\/b><\/p>\n<p>Es wurde eine monogen autosomal rezessiv vererbte Form von disproportioniertem Zwergwuchs &#8211; \u201eskeletale Dysplasie 2 (SD2)\u201c &#8211; aufgekl\u00e4rt und ein direkter Gentest entwickelt. Nur diese durch das \u201eSD2-Gen\u201c verursachte Form des Zwergwuchses kann durch den Test erfasst werden. Skelettmissbildungen, die durch andere Mutationen verursacht werden, k\u00f6nnen durch den Test nicht nachgewiesen werden. Die SD2-Mutation f\u00fchrt zu einem vergleichsweise milden disproportionierten Zwergwuchs. Von SD2 betroffene Hunde haben k\u00fcrzere Beine (vor allem vorne) als normale Hunde. SD2 Hunde sind nicht alle gleich klein, es gibt eine gewisse Variation in der Schulterh\u00f6he, aber das spiegelt nur die normale Variation der Gr\u00f6\u00dfe in der Labrador-Population wider. Die SD2-freien Hunde variieren ja ebenfalls stark in der Gr\u00f6\u00dfe. Daher sind nicht alle von SD2 betroffenen Hunde (Genotyp Zwerg) ph\u00e4notypisch immer sicher als \u201eZwerg\u201c mit verk\u00fcrzten Beinen aber normaler K\u00f6rperl\u00e4nge und \u2013gr\u00f6\u00dfe zu identifizieren. Auch ihre Gr\u00f6\u00dfen sind variabel. Andere Anlagen, die bei der Ausbildung der K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe mitwirken, k\u00f6nnen die Wirkung der Mutation kompensieren. Diese Hunde sind im Ph\u00e4notyp meistens, aber nicht immer, von normalen Hunden zu unterscheiden. Einige wurden\/werden in verschiedenen L\u00e4ndern zur Zucht eingesetzt, zum Teil wegen ihrer hervorragenden Arbeitsanlagen, aber auch, weil sie in aller Regel besonders substanzvoll sind und daher auf Ausstellungen z.T. sehr gute oder sogar vorz\u00fcgliche Bewertungen erhalten. SD2 ist nicht mit anderen Krankheiten vergesellschaftet, wie das zum Beispiel beim hypophys\u00e4ren Zwergwuchs des Sch\u00e4ferhundes der Fall ist. Auch die r\u00f6ntgenologischen Unterschiede zwischen einem \u201enormalen\u201c Hund und einem genetisch nachgewiesenen \u201eZwerg\u201c sind im Gegensatz zur CD nur marginal.<\/p>\n<p>Menschen, die eine Mutation im gleichen Gen wie die zwergw\u00fcchsigen Labradors haben, sind sehr oft schwerh\u00f6rig und sehen manchmal auch noch schlecht. Das scheint nach bisherigem Wissensstand beim Labrador nicht der Fall zu sein. Viele der genetischen Zwerge werden als Jagdhund eingesetzt oder arbeiten erfolgreich im Dummybereich. Daf\u00fcr m\u00fcssen die Hunde sowohl die Sch\u00fcsse h\u00f6ren k\u00f6nnen als auch das Wild\/Dummy fallen sehen. Alle genotypischen \u201eZwerge\u201c, die mir pers\u00f6nlich bekannt sind, k\u00f6nnen arbeiten. Sie k\u00f6nnen h\u00f6ren, sehen, schnell laufen und springen und sind beschwerdefrei. Das Merkmal hat f\u00fcr die Hunde nach bisherigem Kenntnisstand also keinen Krankheitswert, die Hunde haben keine Schmerzen und leiden nicht.<\/p>\n<p>Sicher nachgewiesen ist diese Form bisher in reinen Arbeitslinien und Kreuzungen aus Schau \u2013und Arbeitslinie. Ausnahmslos alle Betroffenen und alle Tr\u00e4ger gehen bisher auf einen 1966 geborenen R\u00fcden zur\u00fcck. Mir liegen aber auch Berichte und Fotos von Hunden aus reinen Schaulinien vor, die ebenfalls ausgesprochen klein sein sollen. Mindestens ein Tr\u00e4ger aus reinen Schaulinien wurde mittlerweile identifiziert. Um abzukl\u00e4ren, ob dieses Gen ebenfalls bei Hunden aus reinen Schaulinien h\u00e4ufiger vorkommt, werden Blutproben von solchen Verdachtsf\u00e4llen mit Gr\u00f6\u00dfenangabe und einem Foto auch weiterhin gern von der Universit\u00e4t Bern zu Forschungszwecken angenommen.<\/p>\n<p><b>Konsequenzen f\u00fcr die Zucht<\/b><\/p>\n<p>Es scheint sich also tats\u00e4chlich um ein im wahrsten Sinne des Wortes \u201ekleines\u201c Problem unserer Rasse zu handeln. Warum also der Gentest? Man muss schlie\u00dflich nicht jeden Gentest, der neu auf den Markt kommt, auch gleich mit jedem seiner Hunde machen, im Besonderen dann nicht, wenn ein neuer Test u. U. nicht einmal auch f\u00fcr diese Rasse validiert ist und die Krankheit\/das Merkmal f\u00fcr diese Rasse vielleicht gar kein Problem darstellt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Anwendung des SD2-Testes geht meine pers\u00f6nliche Empfehlung aber unbedingt dahin, nur noch Paarungen vorzunehmen, bei denen einer der Partner auf freiwilliger Basis als nicht betroffen getestet wurde. Meiner Meinung nach sind wir Z\u00fcchter das den K\u00e4ufern unserer Hunde schuldig.<\/p>\n<p>Ich habe gro\u00dfen Respekt vor Menschen, die ihren Hund so annehmen wie er ist und ihn nicht aufgrund eines Gentestergebnisses an den Z\u00fcchter zur\u00fcckgeben. Dennoch darf ein K\u00e4ufer eines Labradors zu Recht erwarten, dass sein Hund im ausgewachsenen Zustand \u00fcber 50 cm gro\u00df sein wird. Leider gibt es neben den lediglich etwas kleinen, im Ph\u00e4notyp kaum oder auch gar nicht auff\u00e4lligen Zwergen auch solche, die man aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfe sofort als Zwerg ansprechen kann und die deswegen in L\u00e4ndern mit restriktiven Zuchtbestimmungen nicht zur Zucht zugelassen werden. Auch wenn wir weitaus gr\u00f6\u00dfere Probleme in unserer Rasse haben, so ist es f\u00fcr den zuk\u00fcnftigen Besitzer eines Labradors doch angenehmer zu wissen, dass sein Hund eine f\u00fcr diese Rasse normale Gr\u00f6\u00dfe erreichen wird und er nicht \u00e4ngstlich immer seinen Hund mit den Wurfgeschwistern vergleichen muss. Nicht jeder Besitzer eines extrem kleinen Hundes kann mit der Tatsache eines von SD2 betroffenen Hundes ganz ohne Problem leben.<\/p>\n<p>Wenn wir Z\u00fcchter also auf eine so einfache Weise, dieses \u201ekleine\u201c Problem verhindern k\u00f6nnen, haben wir dazu auch die moralische Verpflichtung.<\/p>\n<p>Bisher liegen noch keine Zahlen vor, wie hoch der Prozentsatz der Betroffenen und der Tr\u00e4gertiere ist. Selbst wenn der Prozentsatz sehr niedrig liegen sollte, w\u00e4re es in meinen Augen ein gro\u00dfer Fehler, der Einfachheit halber die Tr\u00e4gertiere nicht mehr zur Zucht zu verwenden, um dieses Gen radikal und schnellstm\u00f6glich auszumerzen. Zu gro\u00df ist die Gefahr, dass ohne Not damit auch wertvolle Eigenschaften unserer Rasse verloren gehen. Im \u00dcbereifer das Kind mit dem Bade auszusch\u00fctten kann sich unsere Rasse mit riesigen Eintragungszahlen aber kleinem Genpool nicht leisten. Ist es doch sowohl in den Arbeits- als auch in den Schaulinien schwierig, Paarungen ohne einen gewissen Inzuchtgrad oder ohne jeden Ahnenverlust zu finden.<\/p>\n<p>Mit einem Gentest f\u00fcr ein rezessives Merkmal aber k\u00f6nnen ohne jedes Risiko Tr\u00e4ger z\u00fcchterisch eingesetzt werden ohne den Genpool zu gef\u00e4hrden. F\u00fcr eine Generation halte ich es sogar f\u00fcr sinnvoll Betroffene weiterhin zur Zucht einzusetzen, wenn sie z\u00fcchterisch in anderer Hinsicht wertvoll sind und die H\u00fcrde der Formwertbeurteilung genommen haben. Ob es f\u00fcr eine Generation ein paar Tr\u00e4ger mehr gibt, schadet der Rasse \u00fcberhaupt nicht, kann ihr aber unter Umst\u00e4nden n\u00fctzen, wenn diese betroffenen Tiere andere gute Eigenschaften haben. So d\u00fcrfen im LCD auch von PRA betroffene Hunde f\u00fcr die Zucht eingesetzt werden, solange sie noch klinisch gesund sind<\/p>\n<p>In der Regel sind bei einem rezessiven Merkmal relativ viele Tr\u00e4ger in einer Population vorhanden. Wenn wir nicht radikal selektieren, aber nur noch risikofreie Paarungen im Hinblick auf dieses Merkmal vornehmen wollen, ist ein Gentest von unsch\u00e4tzbarem Wert. Sobald ein direkter Gentest vorliegt, geh\u00f6ren diese Daten zum Tier und sollen auch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Jeder kann auch privat Listen mit Betroffenen, Tr\u00e4gern und Freien f\u00fchren und diese anderen auf Wunsch zur Verf\u00fcgung stellen. Das habe auch ich fr\u00fcher z.B. f\u00fcr PRA mit enormem Zeitaufwand getan, als der <i>Optigen PRA-Test<\/i> noch nicht zur Verf\u00fcgung stand. Trotz einer gro\u00dfen europaweiten Sammlung habe ich dennoch einmal aus Unkenntnis eine Paarung mit einem PRA-Tr\u00e4ger vorgenommen. Bei allen herk\u00f6mmlichen Methoden bleiben Anlagetr\u00e4ger in der Regel zu lange unerkannt, w\u00e4hrend ein Gentest sofort Klarheit bringt und nahezu 100%ig sicher ist.<\/p>\n<p>Keine noch so sorgf\u00e4ltig gef\u00fchrte Liste macht den Gentest also \u00fcberfl\u00fcssig. Diese Listen aber ins Internet zu stellen, halte ich pers\u00f6nlich f\u00fcr die falsche Politik. Wir sind darauf angewiesen, dass auch Labradorbesitzer in anderen L\u00e4ndern m\u00f6glichst bald diesen Test durchf\u00fchren lassen, wenn sie z.B. als Partner f\u00fcr ein Tr\u00e4gertier verwendet werden sollen. Ein \u201eAn-den-Pranger-Stellen\u201c durch eine Ver\u00f6ffentlichung im Netz, z.T. schon bevor der Besitzer selber \u00fcberhaupt wei\u00df, dass sein Hund ein Tr\u00e4ger sein muss, kann leicht seinen wohlgemeinten Zweck verfehlen und das Gegenteil bewirken. Aus diesem Grunde habe ich auch einige Besitzer von Tr\u00e4gertieren pers\u00f6nlich angeschrieben, damit sie die Ergebnisse nicht aus dem Internet oder durch unbeteiligte Personen erfahren m\u00fcssen. Eine \u00f6ffentliche Liste dient zwar der Befriedigung der Neugier, kann aber auch leicht dazu f\u00fchren, einen Zwinger, Tr\u00e4gertiere oder betroffene Tiere schlecht zu reden &#8211; ohne zu bedenken, dass diese dennoch gro\u00dfen Wert f\u00fcr unsere Rasse gehabt haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Listen sind also nur solange n\u00fctzlich und dienen der Transparenz, wie es f\u00fcr das betreffende Merkmal noch keinen Gentest gibt. F\u00fcr Epilepsie und genetisch bedingte Herzerkrankungen z. B., die wirklichen Probleme unserer Rasse, w\u00e4ren sie von gro\u00dfem Wert. Sobald aber ein direkter Gentest zur Verf\u00fcgung steht, ist es nur noch von theoretischem, historischem Interesse, welche Tiere Tr\u00e4ger, betroffen oder nicht betroffen waren. Z\u00fcchterisch wichtig ist nur der Istzustand, der Genotyp der Zuchttiere der heutigen Population, damit ab sofort nur noch risikolose Paarungen vorgenommen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dabei versteht es sich von selbst, dass ein Zuchtverband die von den Besitzern freiwillig zur Verf\u00fcgung gestellten Ergebnisse von Gentests in der Datenbank bei den betreffenden Tieren ver\u00f6ffentlichen sollte.<\/p>\n<p>Es liegt also allein in der Verantwortung der Z\u00fcchter daf\u00fcr zu sorgen, dass ab sofort keine Zwerge mehr gez\u00fcchtet werden. Auf diese Weise werden nach und nach auch die Tr\u00e4ger zumindest weniger werden.<\/p>\n<p>Die molekulargenetische Analyse \u2013 sinnvoll angewandt &#8211; ist meines Erachtens eine gro\u00dfartige M\u00f6glichkeit, die heutige Hundezucht positiv zu beeinflussen, ohne uns zu Tode zu selektieren. Unter dieser Voraussetzung ist auch dieser neue Gentest eine Chance, die nicht vertan werden sollte.<\/p>\n<p>Allen, die dieses Projekt durch die Bereitstellung der Blutproben unterst\u00fctzt haben, m\u00f6chte ich herzlich danken; insbesondere aber geht mein Dank an Professor Tosso Leeb und Mirjam Frischknecht, deren Arbeit f\u00fcr unsere Rasse eine gro\u00dfe Hilfe bedeutet.<\/p>\n<p>Wie versprochen werden alle, die f\u00fcr dieses Projekt bis Ende September 2012 eine Blutprobe ihres Hundes zur Verf\u00fcgung gestellt haben, das Ergebnis ihres Hundes kostenlos erhalten. Besitzer, die noch kein schriftliches Ergebnis erhalten haben, bitte ich, mir eine kurze E-Mail zu schreiben.<\/p>\n<p>Adresse: hniehof@online.de<\/p>\n<p>Leni Niehof<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der neue DNA-Test f\u00fcr SD2 beim Labrador Retriever SD2 &#8211; skeletal dysplasia 2 &#8211; eine milde Form des disproportionierten Zwergwuchses Molekulargenetik unter z\u00fcchterischem Aspekt Geschichte der Rasse Labrador Retriever und Entwicklung der Zucht Die meisten der ca. 400 vom VDH anerkannten Hunderassen sind relativ jung, so auch der Labrador Retriever, der 1903 als eigenst\u00e4ndige Rasse [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1252"}],"collection":[{"href":"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1252"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1252\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5471,"href":"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1252\/revisions\/5471"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/keienfenn.de\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}