Gedanken zum Wesenstest

Hans Rudolf Engelmann habe ich bereits in den Anfängen des DRCs kennengelernt. Er wird mir immer in Erinnerung bleiben als Kynologe mit hohem kynologischen Wissen, aber auch als Schweizer Original mit deftiger Ausdrucksweise. Immer ging es ihm um das Wohl der Hunde.

Er entwickelte damals gemeinsam mit Prof. Eugen Seiferle (Autor des Buches Wesensgrundlagen und Wesensprüfung des Hundes) den ersten Wesenstest für Hunde. Dieses verdient hohe Anerkennung.

Das Wesen war für mich schon damals das Wichtigste in der Rassehundezucht da wir ja zusammen mit unseren Hunden leben wollen und sie nicht in Zwinger wegstecken wollen.

Hans Rudolf richtete schon Hunde aus meinem ersten A-Wurf. Viel durfte ich von ihm lernen und nur, weil er mich so bestärkt hat, legte ich die Prüfung zum ersten Wesensrichter im DRC ab.

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Damals fand der Wesenstest im DRC auf freiwilliger Basis statt. Nur deswegen habe ich mich getraut mit dem Richten zu beginnen. Die Verantwortung darüber zu entscheiden, ob mit einem Hund gezüchtet werden darf oder nicht, erscheint mir auch heute manchmal noch zu groß.

Vieles hat sich seitdem geändert. Kleine Veränderungen im Wesenstandard für den Labrador Retriever konnte ich innerhalb der Gemeinschaft der Wesensrichter durchsetzen, z. B. dass Schärfe (auch die damals so genannte erwünschte Schärfe) bei Labrador Retrievern eben nicht zu den erwünschten Weseneigenschaften gehört oder auch dass Misstrauen (je nach Definition) nicht erwünscht sein muss.

Nie habe ich mir eingebildet, angeborene von erworbenen Wesenseigenschaften unterscheiden zu können, so wünschenswert das auch wäre. Zu groß ist der Einfluss, den der Hundebesitzer auf seinen Hund – bewusst oder unbewusst – ausübt. Die Feststellungen, die am Tag der Wesenprüfung gemacht werden, sind eine Momentaufnahme und von sehr vielen weiteren Faktoren abhängig, z. B. Wetter, Gelände, Alter des Hundes, den Menschen, die bei der Prüfung anwesend sind, wie diese mit dem Hund umgehen, ihn ansprechen, mit ihm spielen, wie die optischen und akustischen Signale bedient werden.

Damals wie heute wollen wir unsere Hunde nur in friedlichen Situationen testen. Subjektiv aus der Sicht des Hundes ist das nicht immer der Fall.

Ich würde mich freuen, wenn mein Antrag auf wissenschaftliche Überarbeitung unseres Wesentests nach den neuesten Erkenntnissen der Ethologie, eine verstärkte Fortbildung für die Wesensrichter und die Anwärter dazu führen, das angenehme Wesen unserer Hunde zu erhalten.

© Niehof 2008